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Home | Leute

Eric Rohmer gestorben

Leute

Montag - 11. Januar 2010 - 21:46

In Rohmers Filmen scheint die Liebe ein intelligentes Spiel für intelligente Menschen zu sein, etwas, das man ernst, aber auch nicht zu ernst nehmen sollte, etwas, über das sich endlos reden lässt, genau wie man über Filme, Musik oder Philosophie redet, weil es intellektuell stimuliert. Die zentralen Figuren sind meist Frauen, die Männer sind als Persönlichkeiten eher schwach gezeichnet. Obwohl Rohmers Filme immer zeitlich und örtlich genau definiert sind, sind sie doch erstaunlich zeitlos. Es entsteht so etwas wie ein eigener Rohmer-Kosmos, und die einzelnen Filme verschmelzen zu einem einzigen großen Rohmer-Gesamtfilm.

Éric Rohmer (* 21. März 1920[1] in Tulle, Département Corrèze; † 11. Januar 2010 in Paris; eigentlich Jean-Marie Maurice Schérer) war ein französischer Film- und Theaterregisseur, Essayist, Filmkritiker und -theoretiker.

1959 drehte er seinen ersten Spielfilm Im Zeichen des Löwen (Le Signe du Lion), der erst 1962 einen Verleih fand. Die Nouvelle Vague (NV) war nicht mehr so en vogue wie noch einige Jahre zuvor und der Film wurde ein Misserfolg in den Kinos. Rohmer ließ sich durch ein Erlebnis von Paul Gégauff, einem bedeutenden Drehbuchautor der NV und häufigem Co-Autor von Claude Chabrol, zu diesem Film inspirieren. Die Persönlichkeit von Gégauff stand Pate für zahlreiche Figuren in den Filmen von Rohmer und anderen NV-Regisseuren.

1962 gründete Rohmer zusammen mit Barbet Schroeder die Produktionsfirma Les Films du Losange („losange“ ist Raute, das Firmenzeichen der Gesellschaft).
1963 wurde Rohmer von Rivette aus der Chefredaktion der Cahiers verdrängt.

In der Folgezeit konnte sich Rohmer nun ganz der Filmarbeit widmen. Bereits 1962 hatte er mit dem Kurzfilm Die Bäckerin von Monceau seinen ersten Filmzyklus Contes Moraux eröffnet. Bis 1972 werden fünf weitere Filme realisiert: Die Karriere von Suzanne (La Carrière de Suzanne, Kurzfilm, 1963), Die Sammlerin (La Collectioneuse, 1966), Meine Nacht bei Maud (Ma nuit chez Maud, 1969), Claires Knie (Le genou de Claire, 1970) und L’Amour L’Après-midi (1972). Meine Nacht bei Maud, der wegen fehlender Unterstützung der französischen Filmförderung Avance sur recettes (= Vorschuss auf das Einspielergebnis) um drei Jahre verschoben werden musste, wurde überraschend ein großer Publikumserfolg und Rohmers erfolgreichster Film.

Während dieser Zeit entstanden auch über zwanzig Filme für das französische Schulfernsehen vor allem zu literarischen und historischen Themen. Außerdem ein langer Fernsehfilm Le celluloid et le marbre (1966), eine Dokumentation über den dänischen Filmregisseur Carl Theodor Dreyer (1965) und der Kurzfilm Place de l’Étoile als Beitrag zu dem Episodenfilm Paris vu par...(1965), dessen andere Teile von Jean-Daniel Pollet, Jean Rouch, Jean Douchet, Jean-Luc Godard und Claude Chabrol stammen.

1972 legte er mit seiner Dissertation L’organisation de l’espace dans le Faust de Murnau sein Doktorexamen an der Universität Paris I (Panthéon-Sorbonne) ab (Deutsch als Murnaus Faustfilm bei Hanser, München, 1980). Von 1972 an hatte Rohmer einen Lehrauftrag für Filmregie an der Universität Paris-Nanterre.

1976 entstand Die Marquise von O. (La Marquise d’O...) nach der Novelle von Heinrich von Kleist. Der Film war mit deutschen Schauspielern in deutscher Sprache im Schloss Obernzenn in Mittelfranken gedreht worden.

1978 realisierte Rohmer Perceval le Gallois nach einem mittelalterlichen Stoff, dem Perceval-Roman des französischen Schriftstellers Chrétien de Troyes. Rohmer verwendete ein extrem stilisiertes theatralisches Dekor und ließ die Schauspieler in mittelalterlicher Sprache sprechen. In diesem Film traten zum ersten Mal zahlreiche Schauspieler auf, die auch später noch mehrfach in Rohmers Filmen zu sehen waren, wie Arielle Dombasle, Anne-Laure Meury, André Dussollier und Marie Rivière.
1979 inszenierte Rohmer im Maison de la Culture in Nanterre Das Käthchen von Heilbronn von Kleist. Das Projekt fiel bei Publikum und Kritik durch. Besonders die von Rohmer angefertigte Versübersetzung und die Besetzung wurden kritisiert.

1981 begann Rohmer mit Die Frau des Fliegers (La femme de l’aviateur) einen neuen sechsteiligen Filmzyklus unter der Überschrift Comédies et proverbes (Komödien und Sprichwörter). Der Film wurde mit dem unvorstellbar niedrigen Budget von 125.000 Euro gedreht. Jedem Film dieser Serie ist ein bekanntes (manchmal auch abgewandeltes) Sprichwort als spielerisches Motto vorangestellt.

Weitere Filme dieses Zyklus sind: Die schöne Hochzeit (1982) mit Béatrice Romand, Pauline am Strand (Pauline à la plage, 1982), Les nuits de la pleine lune (1984), der sehr stark improvisierte Le rayon vert (1986), für den er den Goldenen Löwen auf dem Filmfestival von Venedig gewinnt, und Der Freund meiner Freundin (1986). Gleichfalls 1986 entstand außerhalb des Zyklus Quatre aventures de Reinette et Mirabelle, ein vierteiliger Episodenfilm. Für die Produktion dieses Films gründete Rohmer die Produktionsgesellschaft C.E.R. (Compagnie Eric Rohmer), um das finanzielle Risiko dieses kleinen und sehr billigen Films von Les films du Losange fernzuhalten.

1984 erschien eine Sammlung von Rohmers Filmkritiken unter dem Titel „Le gout de la beauté“ in der Buchreihe der Cahiers du cinéma, eingeleitet von einem längeren Interview (Deutsch: „Der Geschmack des Schönen“ Verlag der Autoren, Frankfurt/M., 2000).
1987 schrieb Rohmer das Theaterstück Le trio en mi-bémol, eine Comédie en sept tableaux für zwei Personen. Im Dezember 1987 hatte das Stück in der Regie von Rohmer Premiere am Théatre Renaud-Barrault in Paris, gespielt von Jessica Forde und Pascal Greggory. Es entsteht auch eine Fernsehfassung.

Mit Frühlingserzählung (Conte de Printemps) eröffnete Rohmer 1990 seinen dritten Filmzyklus Contes des quatre saisons (Erzählungen der vier Jahreszeiten). Es folgt 1992 Conte d’hiver.

1993 entstand außerhalb des Zyklus wiederum produziert von der C.E.R. L’arbre, le maire et la médiathèque ou les sept hasards, der billigste Spielfilm seiner Karriere. In diesem fröhlichen Allotria um Kommunalpolitik in der französischen Provinz spielen die bekannten Gesichter Arielle Dombasle, Pascal Greggory und Fabrice Luchini. Der satirische Aspekt ging allerdings in all den Wortkaskaden ein wenig unter.

1995 folgte dann Les Rendez-vous de Paris, ein dreiteiliger Episodenfilm, mit Geschichten von Paaren in unterschiedlichen Stadtvierteln von Paris.
Auch publizistisch wurde Rohmer wieder aktiv: 1996 erschien der Essay De Mozart en Beethoven. Essai sur la notion de profondeur en musique bei Actes Sud (deutsch: Von Mozart zu Beethoven, Residenz-Verlag, Salzburg, 1997). Rohmer hatte sich schon immer auch für klassische Musik interessiert.

Der Jahreszeiten-Zyklus wurde 1996 mit Conte d’été fortgesetzt, der in der Bretagne gedreht wurde. 1998 folgte Conte d’automne.
Mit 81 Jahren machte Rohmer seinen kostspieligsten Film. Die Lady und der Herzog (L’Anglaise et le Duc) entstand durchgehend mit Hilfe der digitalen Videotechnik. Die Handlung basierte auf den Erlebnissen der Engländerin Grace Elliott während der Französischen Revolution. Die gemalten Kulissen für die Außenszenen wurden mit den Aufnahmen der Schauspieler tricktechnisch kombiniert.

Triple Agent, der seine Premiere auf der Berlinale 2004 erlebte. Die deutsche Kritik war allerdings nur mäßig angetan von dieser Agentengeschichte aus den 1930er Jahren.

Im Frühjahr 2004 widmete ihm die Cinémathèque française eine komplette Retrospektive und die DVD-Edition von Rohmers Filmen ist nach Erscheinen der dritten Box nun auch komplett. Die Cahiers du cinéma widmeten ihm im März 2004 ein längeres Dossier. Im Interview verkündete Rohmer das Ende seiner Karriere: „En fin de compte, je n'ai rien dans mes tiroirs“. Trotzdem arbeitete Rohmer immer noch weiter: 2005 dreht er den Kurzfilm Le canapé rouge mit Marie Rivière. Im Mai und Juni 2006 fanden die Dreharbeiten für Rohmers jüngstes Projekt Les amours d'Astrée et de Céladon nach einem Roman des 17. Jahrhunderts von Honoré d’Urfé statt. Der Film kam am 5. September 2007 in die französischen Kinos und feierte seine Premiere auf den 64. Filmfestspielen von Venedig, wo das Drama im offiziellen Wettbewerb vertreten war, jedoch unprämiert blieb.

Trotz dieser vielfältigen Aktivitäten rund um die Theorie und Praxis des Films und des Theaters fand Rohmer immer noch die Zeit, sich mit Literatur, Philosophie, Musik, Architektur und Stadtplanung zu befassen. Außerdem sprach er gut Deutsch, spielte Klavier und galt als hervorragender Balzac-Kenner (in dem Mammutwerk Out One (1970) von Jacques Rivette hat Rohmer einen kleinen Auftritt als Balzac-Spezialist).

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>> Eric Rohmer (Wikipedia)



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