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Home | Neu im Kino

VON ROLAND ZAG

Die Simpsons

Neu im Kino

Donnerstag - 02. August 2007 - 18:41

Die Beschäftigung mit den “Simpsons” ist aus Sicht von ‘the human factor’ insofern ergiebig, als eine Figur wie HOMER zunächst alle Regeln des sozialen Lebens zu brechen scheint. So auch in diesem Film: die Liste seiner unverschämten Zumutungen ist lang. Er demütigt seinen Sohn und seine Familie, riskiert deren Vertreibung aus der kleinen Stadt und - vor allem - sorgt mit seinem Egoismus dafür, dass Springfield aus Strafe für die unzulässige Umweltverschmutzung mit einer Glasglocke von der Außenwelt abgeschnitten wird.

All dieses Ungemach geht mehr oder weniger allein aufs Konto von Homer, der durch keine Abschreckung zur Schuldeinsicht zu bringen ist.

Wird damit der „Publikumsvertrag“ ausgehebelt? Lange Zeit sieht es so aus. Die Simpsons werden vom Schicksal auch noch für ihre Missetaten (bzw. die Homers) belohnt und scheinen als einzige Überlebende nach Alaska entkommen zu können
(übrigens ohne den Großvater, der schlicht zuhause „vergessen“ wurde, weil er sich unter die demonstrierende Bevölkerung gemengt hatte).

In dieser langen ersten Hälfte des Films entsteht der wunderbar anarchische Humor, der sich im Umfeld der „Bösewichter“ immer leichter einstellt als etwa bei „Gutmenschen“, wie sie in der Person des Pfarrers dargestellt werden und die oft tröge wirken. Dasselbe gilt auch für die obersten Umweltschützer samt Gouverneur Schwarzenegger, die ebenfalls als durchtriebene Fieslinge und Dummköpfe für lustvolle und amoralische Gags zu haben sind.

Doch dann entfalten sich fast schlagartig doch die altbekannten Mechanismen des ‚human factor’, und sie bewirken eine vollkommene Umkehr der Dynamik. Denn Homer wird nach einer weiteren Eskapade nun endgültig von Frau und Kind verlassen. Sie gehen zurück nach Springfield. Er bleibt allein zurück - und nun setzt die Wirkungskraft der Zugehörigkeitsthematik ein. Homer beginnt zu verstehen, was er mit seinem komplett illoyalen Verhalten angerichtet hat, und folgt der Familie. In Springfield angekommen, ist es dann ausgerechnet er, der gemeinsam mit seinem Sohn für die spektakuläre Rettung der ganzen Stadt vor der drohenden Vernichtung verantwortlich ist. So ganz nebenbei wird auch noch der böse Drahtzieher der Umweltbehörde erledigt.

Damit hat sich am Ende die weitgehende Wunscherfüllung eingestellt; der soziale Zuwachs (denn Vater und Sohn haben neue Loyalität zueinander gewonnen) ist erheblich, und die Rettung einer ganzen Stadt führt natürlich zu gewaltiger sozialer Aufladung.

Man sieht also, dass auch ein Film wie „Die Simpsons“, der zunächst eher durch Immoralität zu glänzen scheint, sich letztlich der bewährten Mittel des Publikumsvertrags bedient, um so ein mögliches Millionenpublikum zu erreichen.

(Über diesen Triumph der Loyalität und des Familiensinns hinaus könnte man sich auf politischer Ebene fragen, ob es wirklich ein so positives Ende ist, wenn die Fragen des
Umweltschutzes, die ja im Zentrum stehen, so ambivalent behandelt werden. Am Ende bleibt die ideelle Ebene, die sich für den Schutz der Umwelt stark gemacht hat, eher
beschädigt zurück. Wie so oft setzt das amerikanische Kino ganz allein auf die Macht der Familienbande. Das ist vielleicht etwas Schönes; aber für die anstehenden Aufgaben der Zukunft nicht genug. Womöglich liegt in der Überbetonung des Familiären ein Schlüssel zum Verständnis der Schwierigkeiten, die Amerika mit der Welt und die Welt mit Amerika hat und wohl noch zunehmend haben dürfte: der Blick über den Tellerrand der „family“ scheint dort nach wie vor schwer zu fallen.)

FAZIT:

Der Film „Die Simpsons“ setzt nach einem lange scheinbar immoralischen Gag-Feuerwerk im zweiten Teil ganz vehement auf die Werte des Publikumsvertrags. Von daher ist ein Millionenerfolg aus unserer Sicht sehr leicht vorstellbar.

Mehr dazu: "Der Publikumsvertrag. Emotionales Drehbuchschreiben mit 'the human factor'" von Roland Zag - Erscheinungsdatum: September 2005

Fotos: © Fox

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