Casting Director

(auch Caster, Casting Direktor)
Ein Casting Director ist zuständig für die Vorauswahl der Rollenbesetzung (Haupt- und Nebenrollen; Erwachsene und Kinder / Jugendliche) von Schauspielern in Spielfilm-, Fernseh- oder Werbefilmproduktionen.

Auftraggeber sind in der Regel Produzenten. Der Begriff des Casting Director wird bekanntlich von Personen verwendet, die in den Bereichen Mode, Musik oder Show nach Nachwuchs suchen. Der Bundesverband Casting (BVC) definiert den Beruf und seine Aufgaben aber ausschließlich für die Bereiche Film, Fernsehen, Werbung und Theater.

Der Besetzungsprozess findet meist in enger Zusammenarbeit mit den Produzenten, Regisseuren, Redakteuren und Produktionsleitern statt. Die Dauer des Besetzungsprozesses ist sehr unterschiedlich (4 Wochen bis zu 40 Monate). Oft ist dieser sehr lang, da z.B. durch Verschiebungen des Drehtermins (bis zu einem Jahr) die Besetzung meist komplett neu gesucht werden muss. Besonders bei Kindern und Jugendlichen als Darsteller erfordert eine Drehverschiebung oft eine komplett andere Besetzung.

Castingfirmen besitzen umfangreiche Kenntnisse über die Berufsgruppe der deutschsprachigen aber auch internationalen Schauspielerinnen und Schauspieler, die vor allem in den Bereichen Kino, Fernsehen, Theater und Werbung tätig sind.

Mit Hilfe von aktuellen Materialen der Schauspielern (Demobänder / Showreels, Fotos, Vitae etc.) sowie Besetzungsgesprächen, Cold Readings oder Live-Castings werden Auswahllisten für die zu besetzenden Rollen erstellt und schrittweise spezifiziert.

Gelegentlich wird das Unternehmen des Casting Directors auch als “Castingagentur” anstatt “Castingfirma”bezeichnet. Der Bundesverband Casting differenziert klar zwischen dem Berufsbild des (Schauspiel)Agenten und dem des Casting Director. Der BVC lehnt die Berufsbezeichnung “Casting-Agent” ab, da er nach seiner Vorstellung und Satzung in sich widersprüchlich ist.

Agenten sind parteilich im Sinne und zum Wohle ihrer Klienten, also der Schauspieler, Regisseure, Drehbuchautoren, Kameraleute, Komponisten etc. Casting Directors sind wiederum parteilich im Sinne ihrer Auftraggeber – i.d.R. Produzenten und Regisseure. Der BVC unterstützt deshalb eine klare Trennung zwischen den Tätigkeiten des Agenten und des Casting Directors. “Casting-Agenten”, die sowohl als Castingfirma als auch als Schauspielagentur arbeiten, können eine unparteiische Arbeitsweise nicht gewährleisten. Dieser potentielle Interessenskonflikt geht nicht konform mit dem in der Satzung des BVC formulierten Verständnis der Objektivität eines Casting Directors und gilt daher als Ausschlusskriterium.

Arbeitsumfeld
Status: Ein Casting Director arbeitet sowohl freiberuflich / selbstständig als auch angestellt bei Produktionsfirmen, Fernsehsendern oder Filmhochschulen
Mitarbeiter: Ein Casting Director arbeitet in der Regel alleine, maximal mit 1 bis 2 weiteren Personen in Assistenzfunktion oder mit Honorarkräften.

Aufgabenbereiche
Der Casting Director hat die Aufgabe, den Kontakt zwischen Schauspieler, Regie und Produktion herzustellen. Der Casting Direktor ist nicht verpflichtet, Drehbücher zu verschicken. Sind sämtliche Schauspieler besetzt, endet der Vertrag des Casting Directors.
Die Führung eines Archivs sowie anfallende “Verwaltungsarbeiten” sollen professionell durchgeführt werden können. Gleiches gilt für die Organisation, Durchführung und Leitung und gegebenenfalls auch die Regie bei einer Casting-Veranstaltung.

Tätigkeiten
Die Besetzung der Haupt- und Nebenrollen ist nicht nur ein wichtiger Motor beim Anschub eines Filmprojektes, sie ist auch ein zentrales Element im kreativen Prozess der Filmfinanzierung und der Vermarktung. Die Bedeutung von individuellem, erfolgreichem Casting ist für Produktion und Regie deshalb unbestritten.

Zu den wichtigsten Tätigkeiten eines Casting Directors zählen:

      • Drehbuchlektüre inkl. Erstellung von Rollenauszügen
      • Treffen mit Regie und Produktion
      • Konzeptbesprechungen
      • Zusammenstellung und Begründung von Besetzungsvorschlägen mit allem dazugehörigen Material der Agenturen (Anmerkung: CD müssen dieses Material oft erst besorgen bzw. herstellen lassen. Gerade bei Nachwuchs-Darstellern oder Theaterschauspielern müssen mit der Kamera Interviews gemacht werden)
      • Abfragen von terminlichen Verfügbarkeiten (mit Agenturen, Schauspielschulen, Betriebsbüros) und (normalen) Tagesgagen
      • Treffen der Schauspieler mit Regie und Produktion organisieren und begleiten
      • Probeaufnahmen organisieren, terminieren und durchführen (E-Casting / Vorcasting, normale Live-Castings, Improvisationen, Cold Readings, Re-Calls / fortführende Castings)
      • Kontakt mit Produktionsbüro und Agenten halten
      • Zusagen machen und Absagen formulieren

Tätigkeiten, die nicht in die Aufgabenreiche eines Casting Directors fallen, sondern in die der Produktion:

        • Drehbuchverschickung
        •  Alle Posten, die bezahlt werden müssen, z.B.
                  • Miete von Castingstudios
                  • Hotel-, Reisebuchung
                  • Auslage von Taxikosten
                  • Gagenverhandlung (es sei denn, auf besondere Absprache und entsprechendes Honorar)

Voraussetzungen / Ausbildung
Das Berufsbild des Casting Directors umfasst eine weitreichende Kenntnis der Theater-, Film- und Fernsehbranche in inhaltlicher und formaler Auseinandersetzung. Die Schauspielerszene sollte, mit Schwerpunkt auf das jeweilige Land, umfassend bekannt sein. Aufbau und Pflege des Nachwuchses haben hohe Priorität. Das Vermögen, Talente und Trends zu erkennen, gehört zu den maßgeblichen Eigenschaften des Casting Directors.

Unabdingbare Voraussetzungen sind zum einen das Verständnis von Drehbüchern in Bezug auf dramaturgische Zusammenhänge und zum anderen die Möglichkeit der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Filmstoffen. Casting ist ein künstlerischer Beruf und sollte auch so verstanden werden. Der Casting Director ist Partner des Regisseurs, der Produktion und des Verleihers oder Senders. Seine vornehmliche Aufgabe besteht darin, ergebnisorientiert einen Konsens im Dialog zwischen diesen Parteien herzustellen – ohne sein eigenes inhaltliches und künstlerisches Konzept aus den Augen zu verlieren.

Es gibt aktuell keine Möglichkeit, den Beruf des Casting Directors mittels einer staatlich anerkannten Berufsausbildung zu erlernen. Die Mehrheit der Casting Directors zuvor andere Berufe wie Theaterwissenschaften, Schauspiel, Regie, Psychologie, Volkswirtschaft, Jura, aber auch filmproduktionsspezifische Berufe wie Herstellungsleitung, Produktionsassistenz etc. studiert und sind anschließend über Berufserfahrungen zum Casting gestoßen.

Der BVC setzt sich dafür ein, dass Casting als regelmäßiger und eigenständiger Teil in die Regieausbildung an Filmhochschulen integriert wird. Auch in den Produktions- und Schauspielklassen sollte Casting fester Bestandteil des Lehrplans sein.

Berufssituation

Obwohl bereits in den 20er-Jahren ein hoch differenziertes Besetzungsgeschäft zum Standard in der deutschen Filmbranche gehörte, fristeten die Casting Directors bzw. Besetzungschefs lange Zeit ein weitgehend unbemerktes Dasein: Keine Credits, ja nicht einmal eine deutschsprachige Bezeichnung legen Zeugnis davon ab, wie wenig sich die Besetzungstätigkeit im Bewusstsein der deutschen Filmbranche verankert hat.

Dabei ist Casting kein aus dem angloamerikanischen Raum adaptierter Trendberuf, sondern ein erlerntes Handwerk mit einer wenn auch oftmals vergessenen Tradition.

Erster Besetzungschef der Ufa wurde 1931 Jobst von Reiht-Zanthier, 1950 startet die DEFA ein Besetzungsbüro, 1962 eröffnete das ZDF sein erstes eigenes Büro für Casting. Eine Zäsur passiert im Jahr 1984: Sabine Schroth, Mitglied des BVC, erstmalig in einem deutschen Kinofilm im Abspann unter „Besetzung“ („Abwärts“ von Carl Schenkel), allerdings erst nach der Produktionsleitung und dem Produktionsfahrer, genannt. Schließlich wird 1995 erstmalig die Leistung eines Casting Directors mit einem „Front-Credit“ honoriert: Heta Mantscheff, ebenfalls BVC-Mitglied, schaffte den Sprung in den Vorspann mit dem Film „Stadtgespräch“ von Rainer Kaufmann. (Quelle: „Casting“ von Tina Thiele, UVK Verlagsgesellschaft, 2005)

Weitere Informationen: Bundesverband Casting e.V. (BVC)

Unser Buchtipp:

Casting für Film, Fernsehen und Bühne: Der Wegweiser zum Erfolg (Taschenbuch)


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