First Assistant Director

Während der Regieassistent rein deutscher Prägung sich als wichtigsten Zuarbeiter der Regie sieht, gibt es immer mehr, die sich als First Assistant Director oder 1st AD eher der Produktionsabteilung zurechnen. Deshalb hat der Bundesverband Produktion beschlossen, Regieassistenten und 1st ADs den Zugang zum BvP zu ermöglichen.

Mit der angelsächsischen Bezeichnung kann aber nicht das gesamte Berufsbild einfach in den deutschen Arbeitsalltag übernommen werden. Die Rollen der Aufnahmeleiter oder der 2nd AD, 22nd AD und 3rd AD müssen an den neuen Anspruch angepasst werden – was bei der bekannten Flexibilität unserer Filmschaffenden nicht unmöglich ist.

Das im Folgenden ausgebreitete Berufsbild ist ein unter deutschem Aspekt gezogenes Exzerpt englischer und nordamerikanischer Beschreibungen – und es ist (wie alle hier gesammelten Tätigkeitsbeschreibungen) ständig weiter zu entwickeln.

TÄTIGKEITSBESCHREIBUNG
Der Beruf des 1st AD umfasst ein weites Aufgabengebiet. Als wichtigstes Verbindungsglied zwischen Produktion und Regie muss er organisatorisch-ökonomische Fähigkeiten und künstlerisches Denken in sich vereinen, um sowohl die finanziellen als auch die kreativen Ressourcen zum besten Ergebnis zu bringen.

Analyse und Planung
Wie bei fast allen Filmschaffenden beginnt die Arbeit des 1st AD mit dem Lesen und Verstehen des Drehbuches. Daraufhin erarbeitet er einen Drehplan, indem er das Skript in seine einzelnen Szenen und Bestandteile zerlegt, um sie in der effektivsten Drehabfolge, unter Berücksichtigung der örtlichen, personellen, künstlerischen und finanziellen Gegebenheiten wieder zusammenzusetzen.
Dabei helfen ihm die enge Zusammenarbeit mit den anderen Abteilungen, ob Regie, Kamera, Licht, Ausstattung, Kostüm, Maske oder SFX, und seine Erfahrung.

Durchführung
Die Erfordernisse aller Abteilungen müssen in stetem Miteinander aufeinander abgestimmt werden. Während der Dreharbeiten greift dann ein Rad in das andere, um im gesetzten finanziellen Rahmen das beste künstlerische Ergebnis zu ermöglichen. Das ist ein pausen- loser Prozess des Planens, Vermittelns, schnellen Reagierens. Jeder am Drehort kennt seinen eigenen Beruf und seine eigene Aufgabe bis ins Detail – der 1st AD weiß von allem etwas, und seine Aufgabe ist, dies alles zu koordinieren.

Persönlichkeit
Der 1st AD ist nicht am Drehort, um gemocht zu werden – aber die Arbeit wird sehr schwer, wenn ihn keiner mag. Er muss sich selbst zurücknehmen können. Sein Erfolg beruht auf seiner guten Kommunikationsfähigkeit und Überzeugungskraft. Diese ambivalente Stellung verlangt ein gefestigtes Selbstbewusstsein.

Arbeitszusammenhang
Im amerikanischen System ist der 1st AD dem Producer verantwortlich und einer Reihe von Assistants weisungsbefugt. Hier wird er sich in der Regel vor dem Produktionsleiter verant- worten und mit dem Ersten Aufnahmeleiter die allgemeine Dreh- und die Tagesplanung ge- meinsam durchführen. Am Drehort unterstützen ihn der Setaufnahmeleiter und die Setrun- ner beim Ablauf der Arbeiten. Bei größeren Komparsenscharen und einer Anzahl kleinerer Rollen kann ihn ein 2nd AD unterstützen. (Ansonsten ist die Funktion des 2nd AD eher mit der des 2. Aufnahmeleiters gleichzusetzen.) Hier sind aber viele Mischformen der Systeme denkbar – ein kluger Produktionsleiter wird bei jedem neuen Projekt das Team vor allem so zusammenstellen, dass die Kollegen sich in Persönlichkeit, Können und Funktion ergänzen.

Ausbildung
Seit einigen Jahren gibt es Ausbildungsgänge an Filmschulen und Akademien. An den IHKs in Köln und Berlin können Prüfungen zum Regieassistenten IHK abgelegt werden. Ein guter First Assistant Director hat in der Regel einige Jahre Erfahrung in verschiedenen Bereichen, darunter Set-Aufnahmeleitung, hinter sich.

Zu den beruflichen Voraussetzungen gehören i.d.R. Abitur und gute Fremdsprachenkenntnis- se. Eine hohe soziale Kompetenz und Durchsetzungsvermögen helfen bei der Zusammen- arbeit mit den anderen Teammitgliedern.

Grundlegend wichtig im Hinblick auf Kalkulation und Planung sind kaufmännische Kenntnisse und ein ausgeprägtes Organisationstalent sowie Kenntnisse des Medien-, Arbeits- und Tarifrechts.

Musisches Verständnis, Kenntnisse in Literatur und Musik, darstellender und bildender Kunst sind ebenso hilfreich wie grundlegendes Wissen über die filmischen künstlerischen Mittel und Dramaturgie.

Weitere Informationen: Bundesverband Produktion e.V.