Die Gewinner der Alpinale

Einstimmig ging der Preis der Jury an die französische Animation HOUSE OF DUST. Die Jury lobte die Originalität und visuelle Umsetzung, den überwältigenden Animationsstil und das Überschreiten der Grenzen zwischen Traum und Realität. In der stärksten Kategorie der diesjährigen ALPINALE besteche der Film auf mehreren Ebenen. Der Film erzählt die berührende Geschichte einer Frau, deren Zuhause abgerissen werden soll und noch einmal an den Ort ihrer Erinnerungen zurückkehrt.

Den Publikumspreis gewann der Berliner Film NASHORN IM GALOPP. Erik Schmitt und Stephan Müller überzeugten durch eine romantische Grundidee, originelle Gestaltungsideen und sympathische Hauptfiguren mit einem einzigartigen filmischen Erlebnis. Die Gedanken von Hauptfigur Bruno werden noch im selben Moment durch symbolhafte Darstellungen visualisiert, wie z.B. ein Herz, das von einer Nadel durchbohrt wird, als die Eifersucht von Bruno Besitz ergreift. Jeder Zuschauer findet bestimmte Bilder, die passend einzelne Momente im Leben beschreiben, mal lustig, mal rührend, mal tief bewegend. Ein innovativer, origineller und ganz besonderer Kurzfilm. Dazu eine Ode an die Liebe und an die Stadt, die uns allen täglich Zeichen gibt. Man muss sie nur sehen wollen.

PENNY DREADFUL von Shane Atkinson (USA) zog Zuschauer und Jury auf unterhaltsame Weise und mit Witz in seinen Bann und wurde mit dem “Goldenen Einhorn” für den besten internationalen Film ausgezeichnet. Die Story um eine etwas andere Art von Kindesentführung der von Oona Laurence dargestellten Penny sorgt für zahlreiche Überraschungsmomente und lässt die Handlung immer wieder völlig offen. Auf tragisch-erfrischende Art und Weise wird hier mit den Erwartungshaltungen des Publikums gebrochen. Der Film lasse laut Jury eindeutig Einflüsse aus anderen Filmen erkennen, bleibe aber dennoch dem eigenen Stil treu.

In der Kategorie “Hochschule” wurde der französische Film BREATHLESS von Johann Dulat für seine Kreativität und seine starke Beziehung zum Medium Film im Sinne von Jean Luc Godard’s Breathless (AUSSER ATEM) gelobt. Die Idee, die reale und die fiktive Zeit durch eine Zeitreise spürbar zu machen und die damit verbundene Kraft, hat die Aufmerksamkeit der Jury auf sich gezogen. In einer sehr poetischen Form wird vom Leben eines Zeitreisenden mit seinen Stärken und Schwächen erzählt. Gleichzeitig vermittelt er ein schönes Bild über die Kraft des Medium Films, das ebenfalls ständig zwischen den persönlichen Erfahrungen der Zuschauer und der Vorstellungskraft der Filmemacher wechselt. Der Film schaffe laut Jury somit eine Verbindung zwischen dem eigenen Alltagsleben und dem aller Menschen. Gleichzeitig begebe sich der Zuschauer in einen Wirbelwind, der die Kontinuität und Gewöhnlichkeit der Welt sehen lässt. Schließlich ist die Welt eine Bühne, auf der wir versuchen, eine Rolle zu spielen.

Der vierminütige Animationsfilm WIND erzählt ohne Worte mit windschnittigem Sounddesign und skurrilem Humor vom Alltag in einer Extremsituation. Für die Jury liegen die Details in der Reduziertheit der Illustration. Die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten sind eine weitere Qualität des Films, der das Format Kurzfilm und die Länge intelligent nutzt und ein “Goldenes Einhorn” mehr als verdient.

Aus 20 eingereichten Kurzfilmen aus Vorarlberg wurden im Vorfeld bei einer öffentlichen Kurzfilmnacht vier Filme durch lokale Experten und das Publikum für das Festival nominiert. Aus diesen vier Besten der Kategorie “v-shorts” hat sich die Jury für den komplexesten Film entschieden. “Für einen Film, der Kreation, Dekonstruktion und Rekonstruktion als einen zusammengehörenden Prozess zeigt; der sexualisierte Assoziationen und intellektuelle Erkenntnisse ineinander fließen lässt. Daraus entsteht ein meditativer Sog, dem man sich in aller Offenheit überlassen – oder gegen den man ankämpfen kann; es wird in beiden Fällen ein Dialog bleiben”, beurteilt die Jury den Experimentalfilm END.WURF des international renommierten Künstlers Tone Fink, der sich sehr über die Auszeichnung der Jury freute. Das in der Kategorie “v-shorts” vorgesehene Preisgeld in Höhe von 500 Euro will er lieber an den Filmnachwuchs weitergeben. Somit erhält die zweitplatzierte Filmemacherin, Anne Zwiener, das Preisgeld, das sie für ihren geplanten 3D Animationsfilm bestimmt gut gebrauchen kann.

Die Jury sprach dem polnischen Kurzfilm “Flora i fauna” von Piotr Litwin eine lobende Erwähnung aus: “Ein Film, der die Jury zu langen Diskussionen bewegte, der viel kritisiert und ebenso gelobt wurde. Ein junges Mädchen möchte ihre Jungfräulichkeit an einen alten Mann verkaufen. Vieles im Film bleibt im Dunklen verborgen, sowohl inhaltlich als auch fast über zwei Drittel des Films das Gesicht der weiblichen Hauptfigur. So fällt es schwer, eine Beziehung zu dieser aufzubauen. Das jedoch hilft auch, dass der Zuschauer neutraler Beobachter der Geschehnisse bleibt. Der Regisseur erzählt nüchtern von verstörenden Beziehungsgeflechten. Die Stärken des Films sind zugleich seine Schwächen und umgekehrt. Trotzdem bleibt man am Ende ratlos zurück. Ein Film der aber besonders und speziell ist, einen eigenen Stil hat, polarisiert und unserer Meinung nach eine Lobende Erwähnung verdient hat.”

Die Jury
Der Preisvergabe stellten sich in diesem Jahr unter anderem der deutsche Regisseur und ALPINALE-Preisträger Benjamin Teske (FLIEHKRAFT), der französische Filmwissenschaftler Michael Bourgatte und Verena Teissl, Professorin für Kulturmanagement an der FH Kufstein sowie die beiden Filmkreativen Flo Sturm (helloweare) und Markus Götsch (medienzoo).

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