Goldene Kurbel geht nach Schweden


Der beste Film des Festivals wird alljährlich mit der Goldenen Kurbel prämiert. Sie ist der älteste Preis für Fahrradfilme weltweit. In diesem Jahr nahm ihn Emilia Stålhammer (Foto) aus Malmö persönlich entgegen. Ihr Film ‚Cycologic’ wurde von der zehnköpfigen Expertenjury einstimmig als herausragendes filmisches Werk gewürdigt. Stålhammer und ihr Team erzählen behutsam und mit erstaunlichem Blick für’s Detail die Geschichte von Amanda Ngabirano aus Uganda. Sie kämpft in Kampala für den Bau von Radwegen. Ein wahnwitziges Unterfangen, wie die Bilder des dort herrschenden motorisierten Verkehrschaos’ zeigen. Amanda tritt überzeugend für das Fahrrad ein, in einem Umfeld, das Investitionen in eine Fahrradinfrastruktur als Privileg der entwickelten Welt ansieht. Darüber hinaus widmet sich der Film dem Fahrrad als Werkzeug im Kampf um Emanzipation, um Menschenwürde, und als Signal einer sicheren Gesellschaft und fortschreitenden Gleichstellung zwischen Frauen und Männern: „Eine Frau, die Fahrrad fährt, ist weniger ein Zeichen von Mut und Furchtlosigkeit, sondern signalisiert, dass die Straßen sicher sind“, so Amanda. Ihr Einsatz für Frauen und Fahrräder ist Teil einer funktionierenden Zivilgesellschaft im besten Sinne.

Den zweiten Preis erhält ‚Inercia’, ein liebevoll inszenierter Animationsfilm aus Argentinien. Die beiden Filmemacher Manuel Becho Lo Bianco und Mariano Bergara zeigen in verspielten Bildern den Zwiespalt, den der tägliche Trott des Stadtverkehrs mit sich bringt. Die Frage ist: Wie mag man sich fortbewegen: In der sofagleichen Bequemlichkeit der Stahlkarosse durch abgasgeschwängerte Häuserschluchten kriechend, oder doch lieber leicht und beschwingt mit dem Rad, vorbei an Stahllawinen, fit durchs Grüne durch den Tag kurbelnd? Ein Film über kleine Entscheidungsprozesse mit großen Konsequenzen, und: ein Film über Trägheit.

Der dritte Preis verlieh die Expertenjury dem Film ‚How to make sick edit’ von Matt Dennison, Kanada. Er bietet einen sehr unterhaltsamen und sicher nicht ganz ernst gemeinten Blick hinter die Kulissen und in die Trickkiste derjenigen, die actiongeladene Sport- und Fahrradfilme produzieren. Er entlarvt beliebte Muster und wiederkehrende, beinahe klischeehafte Erzählweisen.

Das Europäische Büro für Filmkunst und Fahrradkultur, Bochum, organisiert das ICFF gemeinsam mit dem Roomservice-Forum für Jugendkultur, Herne, der Fundacja Miasta dla Ludzi, Częstochowa und dem Oude Rooms Katholieke Ziekenhuis in Groningen. Neben Herne ist das Programm des ICFF alljährlich an weiteren Spielorten in Krakau, Groningen und Wiesbaden zu sehen.

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