Hilfe, meine Frau geht fremd!

Herrn Liebknecht hat ein Problem: seine Frau geht fremd! Er berichtet seinem Therapeuten Dr. Kellermann von der Situation.

Notizen des Regisseurs:

Eigentlich sollte der Film nur ein kleines spaßiges Projekt werden. Wenig Aufwand, das Drehbuch wurde von Claudia Reimer und mir innerhalb weniger Tage um Weihnachten 2010 via Facebook und Email geschrieben und dann stand Anfang Januar  der erste Drehtag bevor. Das Team war  klein: André Ritonnale hat die Kamera übernommen, Andreas Meyer den Ton und Sven Wohltmann und Daniel Jacob halfen wo es nur ging. Gedreht wurde auf einer Canon 5D Mark II. Dummerweise verfügte sie zu dem Zeitpunkt noch nicht über die Möglichkeit, mit 25 Bilder pro Sekunde zu drehen, sondern nur mit 30, aber dazu gleich mehr.

Uns wurde freundlicherweise das Opernloft in seiner alten Location bei der Lübecker Straße zur Verfügung gestellt und mit etwas Bastelei schufen wir uns dort ein hübsches kleines Café. Auch die angebrachten Scheinwerfer an der Decke waren unser Glück und hübtschen alles schön auf, da wir keinerlei Lichtequipment dabei hatten. Spontan bastelten wir uns dort auch noch die kurze Kinoszene, die ursprünglich in einem richtigen Kino wie dem B-Movie angedacht war. Dass wir gar kein Licht dabei hatten, stimmte auch nicht so ganz, denn ich hatte eine uralte Fotoleute aus dem Bestand meines Opas aufgetan, die ich unbedingt mal ausprobieren wollte. Nach wenigen Minuten stank die Lampe tierisch und war vor Hitze kaum mehr zu halten, aber für die kurzen Kino hat es dann doch gereicht. Helfer 1 hielt die Lampe, Helfer 2 wedelte mit etwas davor umher, dass es wie eine Projektion wirkte, ich hielt den Reflektor, um so gut wie möglich das zurückfallende Licht der Leinwand auf Thomys Gesicht zu simulieren.

Spontan zogen wir für die Tanzeinstellung weiter an die HfbK, natürlich ohne Drehgenehmigung, in der Hoffnung, dass wir unter den ganzen Studenten gar nicht auffallen. Wir fielen natürlich sofort auf und mussten dem Hausmeister gut zureden, wurden dann aber gelassen. Weiter ging es, wir hatten übrigens immer noch kein Auto, weiter zu Claudia und drehten dort die Bett-Szene. Innerhalb eines Tages hatten wir dann alles zur vollsten Zufriedenheit im Kasten. Dummerweise kam es wie es immer kommen musste, wir brauchten einen Drehort, der irgendwie als Theraphie-Praxis von Dr. Kellermann durchgehen konnte.

Dank Claudia konnten wir in die Praxis ihrer Mutter (auch dieser Drehort ist übrigens wie das alte Opernloft nicht mehr existent), doch sollte Claudia, wenn auch nicht als Schauspielerin, dafür natürlich dabei sein. Nach viel Hin- und Her fand sich dann ein Termin im März, zwei Monate später. Der Drehtag verlief sehr zufriedenstellend, wir hatten glaube ich eine Deadline, vermutlch musste ein Schauspieler ins Theater oder es wurde einfach dunkel.
Wie auch immer, die Idee war, den Film schnell umzusetzen und das ist bis zu diesem Zeitpunkt auch gut gelungen. Die Probleme in der Nachbearbeitung waren dann schon gravierender, die 30 Bilder pro Sekunden sind im europäischen PAL-Format mit 25 Bildern pro Sekunde ein einziges Ruckel-Gezuckel und überhaupt nicht angenehm zu schauen. Es hat viel Bastelarbeit und Nerverei gekostet, das mit Hilfe von Plugins und Entschleunigung und dem Berechnen von Zwischenbildern in den Griff zu bekommen.

Ein anderes Problem war die Tatsache, dass wir die Szenen während der Sitzung aus der Hand drehen wollten. Keine gute Idee bei DSLRs ohne Bildstabilisator. Dazu kam, dass unser Kameramann in einer sehr gelungenden Szene etwas lachen musste und das Bild entsprechend stark wackelte. Ich hätte selbst keine Sekunde ruhig gehalten, von daher kann ich da niemandem einen Vorwurf machen, es war wirklich lustig! Bildstabilisation hat da einiges gerissen, allerdings bemerkt man ein starkes Wabern in der Szene, was sich leider nicht vermeiden ließ, schien mir deutlich besser als das alternative unerklärliche Wackeln.

Musik und Ton hat Pablo Paolo Kilian zu verantworten, der in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit einen ganz famosen Soundtrack ablieferte, ich liebe diesen 80er Jahre-Filmmusik-Moment mit den Milchbärten! Wie der Film dann innerhalb eines Monats für den Metropolis-Abend soweit fertig werden konnte, ist mir dennoch selbst ein kleines Rätsel, aber ich meine mich erinnern zu können, dass die DVD auch noch warm war als sie das Metropolis für die Vorführung bekam. Aufgrund des Bilder pro Sekunde-Problems ruckelte es dann auch noch munter auf der Leinwand und ich bin mehrere Tode gestorben, aber irgendwie hat mich da niemand drauf angesprochen, werte ich als gutes Zeichen, doch vieles richtig gemacht zu haben!

Wir wurden dann auch prompt gefragt was das für ein nettes Café war, das mal besucht werden wollte. Leider gab es das ja gar nicht! Das Operloft hatte zu dem Zeitpunkt zwar die Bar, die dort zu sehen war, das war es aber auch. Der Tisch stand dort wo normalerweise Publikum sitzt, das Klavier im Hintergrund stand neben der Bühne und erfüllte einen anderen Zweck als zur Belustigung von Gästen des nicht vorhandenen Cafés. Wie bei so vielen Filmen führt eine Idee zur nächsten und das unaufwendige Drehen führte in Konsequenz dann auch zu dem Nachfolger-Film “Die Flunder”, der dann mit noch weniger Aufwand realisiert wurde. Zu dem werde ich sicher auch bald nochmal was schreiben.

Hilfe, meine Frau geht fremd!
Genre: Komödie
Jahr 2012
Länge: 12:50
Regie: Christian Grundey
Kamera: André Ritonnale
Produzent: Christian Grundey
Schnitt: Christian Grundey
Musik: Pablo Paolo Kilian

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