Hof: Förderpreis und Filmpreis der Stadt vergeben


Förderpreis Neues Deutsches Kino und Filmpreis der Stadt Hof bei den 49. Internationalen Hofer Filmtagen 2015 vergeben. Zehn Filme waren in diesem Jahr für den Förderpreis Neues Deutsches Kino 2015 nominiert: HÖRDUR von Ergün Ekrem, MEIER MÜLLER SCHMIDT von Sebastian Peterson, TORO von Martin Hawie, SCHWESTER WEISS von Dennis Todorovic, HERBERT von Thomas Stuber, TREPPE AUFWÄRTS von Mia Maariel Meyer, AFTER SPRING COMES FALL von Daniel Carsenty, FUGE von Constantin Hatz und THE BICYCLE von Arne Körner. Gestern Abend fand die Preisverleihung in der Freiheitshalle Hof statt.

Der Förderpreis Neues Deutsches Kino 2015 geht an das Filmteam von FUGE von Constantin Hatz.

Begründung der Jury: Wir sind gefangen in der schmerzhaften Beobachtung einer Implosion im Privaten hinter geschlossenen Fenstern. FUGE ist ein abgrundtief ehrlicher Film. Er ist mutig und wegweisend. Mit stilistischer Reife, in klaren kraftvollen Bildern komponiert der Regisseur sein Thema und zeigt uns wie viel Kraft es kostet, sich zu öffnen und über Gefühle zu kommunizieren. Er ist ein intensiver Film, der uns nicht loslässt.

Eine lobende Erwähnung erhält der Film TORO: Paul Wollin spielt seinen Toro im gleichnamigen Film mit phänomenaler physischer Präsenz in einer beeindruckend ambivalenten Interpretation. Eine Neuentdeckung.

 

Der Filmpreis der Stadt Hof 2015 geht an die Schauspielerin und Regisseurin Katharina Maria Schubert.

Auszug aus der Laudatio von Oliver Haffner: „…Und ich denke, genau darin liegt die Besonderheit: Du öffnest den Blick auf die Tragik des Lebens, auf das verzweifelte Ringen, von einem Gegenüber verstanden zu werden – Und Du tust dies mit beeindruckender Stilsicherheit – ohne Belehrung, ohne Betroffenheit. Du verführst durch den genauen, liebevollen Blick zum Lachen, ein Lachen das erleichtert, das die Absurdität des Lebens erträglich macht – Humor als Überlebensstrategie sozusagen. Und den hast Du absolut – einen großartigen, klugen Humor. So gelingt Dir auch als Schauspielerin, was nur wenigen gelingt: du berührst zutiefst –  über die Genregrenzen hinweg – und das tust Du, weil Du uns nichts vormachst, sondern mit barer Münze zahlst. Das Erforschen einer Figur, sie in Dir oder in der Welt um Dich herum zu finden, sie zu studieren, zu verstehen – intuitiv und bewusst – sie darstellerisch genau zu beschreiben und sie dadurch für den Zuschauer emotional erlebbar zu machen – das ist es, was mich an Deiner Arbeit immer wieder beeindruckt. Du schenkst Dir nichts, gestaltest ganz bewusst und klug  – und trotzdem ist es diese ungemeine Leichtigkeit, die unangestrengte Lebensnähe, die Dein Spiel so einzigartig und facettenreich macht…

Du bist ganz zauberhaft. Und man kann der Stadt Hof zu ihrer Entscheidung, Dir den diesjährigen Ehrenpreis zu verleihen nur von ganzem Herzen gratulieren. Well done, Hof! Well done, Katharina!”

 Katharina Maria Schubert wurde 1977 in Gifhorn geboren und besuchte nach der Schule das Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Ihr erstes Engagement führte sie gleich an das Burgtheater Wien. Dort spielte sie u.a. in Inszenierungen von Karin Beier, Declan Donellan und Martin Kusej. Von 2001 bis 2008 war sie festes Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. 2005 erhielt sie den vom Verein zur Förderung der Münchner Kammerspiele verliehenen Förderpreis für junge Darsteller. 2007 wurde sie mit dem Bayerischen Kunstförderpreis für Darstellende Kunst ausgezeichnet. Im Kino war sie in den letzten Jahren in der Hauptrolle in Ben Verbongs Familienkomödie „Ob Ihr wollt oder nicht“ zu sehen, davor in Neele Leana Vollmars „Friedliche Zeiten“ und in Ralf Westhoffs Indie-Hit „Shoppen“. Sie war zu sehen in „Buddenbrooks“ von Heinrich Breloer, „Rubbeldiekatz“ von Detlev Buck, in Sherry Hormanns „Anleitung zum Unglücklichsein“, im Tauber-Polizeiruf neben Edgar Selge, im „Tatortreiniger“ sowie in „Wintertochter” von Johannes Schmid, Ralf Westhoffs Erfolgsfilm „Wir sind die Neuen” und kürzlich in dem viel gelobten TV-Film „Mein vergessenes Leben” von Gernot Krää.

Für ihre Darstellung einer arbeitslosen Schauspielerin in Oliver Haffners Film „Geschenk der Götter” wurde sie mit dem Bayerischen Filmpreis 2014 als Beste Darstellerin ausgezeichnet. Seit 2010 ist sie Ensemblemitglied am Deutschen Theater Berlin.

In den letzten Jahren hat sie auch als Kurzfilm-Regisseurin reüssiert: Ihre Filme „Wabosch Wilma“ (2009) und „Another Fucking…“ (2011) hatten beide ihre Premiere bei den Hofer Filmtagen.

 

Der GRANIT – HOFER DOKUMENTARFILMPREIS 2015 geht an den Film  WHERE TO, MISS?

Begründung der Jury:

Der Gewinner des Granit-Preises der 49. Internationalen Hofer Filmtage 2015 für den besten abendfüllenden Dokumentarfilm aus deutscher Produktion geht an den Film „Where to, Miss?” von der Regisseurin Manuela Bastian.

In „Where to, Miss?” zeigt Manuela Bastian eine junge Inderin, die Taxifahrerin werden will, in einer gesellschaftlichen Umgebung, die ihren Traum eher verhindert als fördert.

Die Zuschauer haben Teil an ihren existentiellen Lebensentscheidungen: mal scheint sich ihr Wunsch zu realisieren, plötzlich rückt er in weite Ferne. Der kluge empathische, zuweilen humorvolle Blick der Regisseurin und ihres Kameramanns Jan David Günther und der lange Atem bei schwierigen Drehbedingungen haben uns dazu bewogen, den Film von Manuela Bastian auszuzeichnen.

Die nominierten Filme:

GRENZBOCK von Hendrik Löbbert, MEINE REISE IN DIE DDR von Wolfgang Ettlich, DIE KLEINSTE ARMEE von Martin Gerner, BLACKTAPE von Sékou Neblett, WHERE TO, MISS? von Manuela Bastian, EIN LETZTER TANGO von German Kral, WER HAT ANGST VOR SIBYLLE BERG von Wiltrud Baier und Sigrun Köhler, HELLO I’M DAVID von Cosima Lange und LO SOUND DESERT von Jörg Steineck.

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