Isarwestern 2016

Drei Preise beim Autorenwettbewerb ISARWESTERN im Rahmen der HFF-Jahresschau vergeben / ISARWESTERN initiiert von ARRI, suedstern Film, der Drehbuchwerkstatt München und der HFF München / Preise mit insgesamt 27.500 € dotiert / Gewinner-Konzept DER FÜNFTE REITER wird zum 100jährigen Firmen-Jubiläum von ARRI und dem 50jährigen Bestehen der HFF München 2017 realisiert / Umsetzung durch suedstern Film von HFF-Absolvent Sven Burgemeister.

IsarwesternIm Rahmen der HFF-Kino-Open-Air-Jahresschau im Innenhof der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München wurden die Preisträger des Autorenwettbewerbs ISARWESTERN ausgezeichnet: der mit 15.000 € dotierte erste Preis ging an HFF-Student Moritz S. Binder für sein Konzept DER FÜNFTE REITER. Der Stoff wird von der suedstern Film von HFF-Absolvent Sven Burgemeister für das 100jährige Jubiläum von ARRI im nächsten Jahr realisiert und dort gezeigt. Zwei weitere Preise gingen an Drehbuchwerkstatt-Stipendiatin Christiane Kalss und HFF-Student Simon-Niklas Scheuring.
Mit dem Autorenwettbewerb ISARWESTERN wollen die Initiatoren ARRI, suedstern Film, die Drehbuchwerkstatt München und die HFF München das Genre des in München gedrehten Western wiederbeleben – das im ARRI-Gründungsjahr 1917 u.a. auch bei dessen Gründern August Arnold und Robert Richter sehr beliebt war. ARRI-Media-Geschäftsführer Josef Reidinger: „Wir freuen uns auf die spektakuläre Wiederbelebung eines Genres, das zum Gründungsmythos unserer Firma und zu München und Bayern gehört.“

Die ISARWESTERN-Jury setzte sich zusammen aus Friedrich Ani (Schriftsteller und Absolvent der Drehbuchwerkstatt München), Stefanie Thyssen (tz München), Professor Hubert von Spreti (Co-Leiter der Drehbuchwerkstatt), Professor Michael Gutmann (Geschäftsführender Professor der Abteilung Drehbuch HFF München), Sigrid Brücher (Leitung Geschäftsstelle Drehbuchwerkstatt München), Sven Burgemeister, Marcus Welke und Nikolas Kipp (alle suedstern Film GmbH).

ISARSWESTERN 1. Preis dotiert mit 15.000 €
DER FÜNFTE REITER von Moritz S. Binder (HFF-Student)
Jurybegründung Moritz S. Binder erzählt die Geschichte von vier Soldaten, die sich selbst den den Namen der “apokalyptischen Reiter” gaben und die durch ihre Kriegserlebnisse in Napoleons Feldzug nach Russland traumatisiert sind. Sie wurden Deserteure, verstecken ihr Beute-Gold in den Isarauen und schwören, sich nach Napoleons Niederlage zu treffen und die Beute redlich untereinander aufzuteilen. Doch als zwei der vier Reiter zum Versteck gelangen, ist das Gold verschwunden und die Jagd nach dem vermeintlichen Verräter beginnt. Am Ende werden alle vier Reiter tot sein, denn die Prophezeiung eines fünften Reiters, der sie verfolgt und überlebt, tritt ein. Bis wir aber die Identität des fünften Reiters herausfinden, werden wir Zeuge eines packenden Kampfes in einer grausamen und unbarmherzigen Natur, unter Menschen, die sich in Gefühlskälte und Gier nichts schenken. Moritz S. Binder erzählt die Geschichte in einer bemerkenswerten Bildsprache, er nutzt die Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen mit großer Finesse. Dramatische Ironie und die geschickte Informationsverteilung innerhalb der Story überraschen uns, lassen uns mitfühlen und uns bis zum Ende angespannt im Kinosessel ausharren, bis wir erleichtert der Heldin beim Entdecken des Goldes zuschauen.

ISARSWESTERN 2. Preis dotiert mit 7.500 €
VEIT von Christiane Kalss (Drehbuchwerkstatt-Stipendiatin)
Jurybegründung Veit ist der Name der Hauptfigur in Christiane Kalss’ Treatment. Er ist ein cleverer Räuber im Bayern Anfang des 19. Jahrhunderts, der mit seiner Bande – meistens erfolgreich – die Bessergestellten bestiehlt. Sein Gegenspieler ist Offizier im neu gegründeten bayerischen Gendarmeriekorps und sein Ziel ist es, Veit um jeden Preis hinter Gitter zu bringen. Was sie beide verbindet, ist ihre Sehnsucht nach einem glücklichen Familienleben mit Frau und Kind. Veit hat zwar beides, doch seine Frau und Tochter leben auf dem Bauernhof seiner Schwiegereltern und er wird von diesen – bei seinen heimlichen und für alle gefährlichen Besuchen – als Außenseiter behandelt. Dem Offizier und seiner Frau ist Kinderglück versagt geblieben und als der Soldat Veits Tochter in Gewahrsam nimmt, bringt er sie zu sich nach Hause und glaubt, sein Traum ginge in Erfüllung. Doch Veits Tochter möchte in Freiheit leben und kann dem Offizier den Tod ihrer Mutter nicht verzeihen. Sie haut ab, findet ihren Vater und als dieser sich für seine Tochter opfert, macht sie sich alleine auf den Weg in die “freie Welt”. Das Glitzern auf dem Ozean, das wir am Ende auf der Leinwand sehen, könnte für die Verheißung eines neuen Lebens stehen oder auch für die Illusion, die Fata Morgana der Freiheit, die sie dort erwartet.

ISARSWESTERN 3. Preis dotiert mit 5.000 €
DIE VERMESSUNG von Simon-Niklas Scheuring (HFF-Student) und Markus Simon
Jurybegründung Die Autoren beschreiben, wie ihre Hauptfigur – ein Geodät – im Bayern des 18 Jhd. die “Vermessung der Welt” (um den Titel von Daniel Kehlmanns Roman zu zitieren) betreibt. Und das mit tiefster Überzeugung, das Richtige zu tun. Er und seine technischen Geräte stehen nicht nur für den Fortschritt, sondern auch für die neue Kontrolle, ausgeübt durch den König, der durch die Vermessung des Landes Steuern eintreiben möchte. Als der Held jedoch sein Wichtigstes auf grausame Weise verliert, zählt nur noch Rache am Mörder seines ungeborenen Kindes.
Es ist beeindruckend, wie es den Autoren beständig gelingt, die beiden Gegensätze Fortschritt und damit einhergehende Kontrollierbarkeit und das archaische Motiv der Rache in den Charakteren und der Handlung in Bildern auszudrücken.

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