MDM fördert mit über 2,7 Mio €

Virtual Reality

Der Vergabeausschuss der Mitteldeutschen Medienförderung GmbH (MDM) hat in seiner ersten Sitzung 2017 am 25. Januar Fördermittel in Höhe von 2.771.700 Euro für insgesamt 33 Projekte vergeben. Produktionsförderung in Höhe von 350.000 Euro erhält die Hallesche Firma 42film für die Satire „How to Sell a War“, den ersten Debütspielfilm des Regisseurs Rudolph Herzog („The Heist“, „Der Agent“). Fünf Tage vor dem größten Antikriegskonzert aller Zeiten rufen die Russen, die sich im Krieg mit Georgien befinden, unerwartet den Waffelstillstand aus. Harry Hope, Rocklegende und Organisator, weigert sich, das Event abzusagen, und schickt die PR-Managerin Kate und ihr Team kurzerhand in die Krisenregion, um den Krieg um jeden Preis wieder ausbrechen zu lassen.

Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt ist länger tot“, „Sommer in Orange“) inszeniert nach dem Drehbuch von Nora Lämmermann und Simone Höft die Kinderkomödie „Unheimlich perfekte Freunde“ um den verspielten Frido, der sich im Spiegelkabinett des Jahrmarkts einen strebsamen Doppelgänger erschafft. Als sich sein Freund Emil ebenfalls ein perfektes Ich besorgt und die Doppelgänger ein Eigenleben entwickeln, gerät nicht nur die Freundschaft der beiden Jungs in Gefahr (Viafilm, 300.000 Euro).

Nach seinem Debütfilm „Wir waren Könige“ kehrt Philipp Leinemann mit dem Politthriller „Das dritte Sterben“ auf die Kinoleinwand zurück. Darin kommt der erfahrene BND-Experte Behrens den wahren Gründen eines US-Drohnenangriffs sowie Verstrickungen von Regierung, BND und Waffenindustrie auf die Spur (Walker + Worm, 250.000 Euro).

Auf eine Reise in die Vergangenheit schickt der israelische Regisseur Jorge Gurevich die Helden in seinem Film „Back to Maracana“: Der nach Israel emigrierte Samuel fährt gemeinsam mit seinem Sohn Roberto und Enkel Tali zur Fußballweltmeisterschaft in die alte Heimat Brasilien. Ihr turbulenter Aufenthalt fördert ein altes Familiengeheimnis zutage und bringt die drei Männer trotz aller Unterschiede und Widrigkeiten näher zueinander (ostlicht filmproduktion, 160.000 Euro).

In „Elefanten wachsen schnell“ schildert Autor und Regisseur Carlos Morelli das schwierige Verhältnis eines Mannes zu seinem Sohn, der nach der Trennung der Eltern bei der Mutter lebt. Erst das unvorhergesehene Ende der Geburtstagsparty für den Jungen und die Ereignisse einer Nacht machen dem Vater bewusst, was ihm sein Sohn bedeutet (Weydemann Bros., 250.000 Euro).

Das mit Mitteln des Deutsch-Polnischen Co-Development Fonds und in der Cinéfondation in Cannes entwickelte Projekt „Viet Wander House“ der Filmemacherin Mariko Saga wird von der MDM mit 220.000 Euro in der Produktion unterstützt. Sie erzählt die Geschichte der zehnjährigen Mia und ihres aus Vietnam stammenden Vaters, die in Warschau leben und nach dem frühen Tod von Mias Mutter versuchen müssen ihre Zukunft zu finden (Rohfilm).

Mit „Volcano“ legt der ukrainische Filmemacher Roman Bondarchuk sein Spielfilmdebüt vor. Im Mittelpunkt des Dramas steht der OSZE-Übersetzer Lukas, der während einer Mission im Süden der Ukraine strandet. Inmitten einer vom Bürgerkrieg geprägten, verrohten und gewalttätigen Welt entdeckt er Reste von Menschlichkeit und Hoffnung. (Elemag Pictures, 70.000 Euro).

Der Dokumentarfilmer Jan Lorenzen begibt sich mit „Die alte Frau und der Schleier“ auf eine filmische Recherche, die ihren Anfang mit einem Foto aus den 1920er Jahren nimmt. Darauf reißt sich im muslimisch geprägten, zentralasiatischen Teil der jungen Sowjetunion eine Frau den Schleier vom Gesicht. Der Film untersucht die Folgen der Zwangs-Entislamisierung und den bis heute anhaltenden Widerspruch von Religion und Emanzipation muslimischer Frauen in der Geschichte und Gegenwart (Hoferichter & Jacobs, 70.000 Euro).

Schon in der DDR war er eine schillernde Persönlichkeit, nach der Wende stieg Judy Lybke mit seiner Galerie EIGEN+ART in die oberste Liga der internationalen Kunstszene auf. Der Filmemacher Jürgen Ast spürt im Porträt „Hey, Judy!“ dem Phänomen, der Person und dem Weg Lybkes nach (kineo Filmproduktion, 40.000 Euro).

Der experimentelle Dokumentarfilm „Playhouse of A.“ von Benjamin Schindler nähert sich in poetischer Form den Ursprüngen jener Mythen, die durch das Hollywoodkino Teil des kollektiven Unterbewusstseins geworden sind. Er eröffnet eine ungewöhnliche Perspektive auf die USA im Zeitalter Trumps als eine wahrgewordene Kulissenwelt – gefangen im eigenen Kosmos aus Bildern und Ideologien (Zeitgebilde Filmproduktion, 21.000 Euro).

In „Beyond the Frame – zwischen Aleppo und Berlin“ zeichnen die Dokumentarfilmer Omar Shalah und Robert Dobe die Geschichte des syrischen Künstlers und Aktivisten Tamer Alawam nach, der 2012 im Bürgerkrieg erschossen wurde und eine Festplatte mit Fragmenten für einen Film über den Konflikt hinterließ. Das beim Nachwuchstag der MDM vorgestellte Projekt geht dabei der Frage nach, wie die mediale Bilderflut den Blick auf den Krieg beeinflusst (ravir film, 49.000 Euro).

Darüber hinaus unterstützt die MDM die Kurzfilme „Der Hauptgewinn“ der Leipziger Filmemacherin Alice von Gwinner (Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion, 45.000 Euro) und „Tithonos und die Göttin der Morgenröte“ von Jörg Weidner (Animation, sublunare welt, 37.500 Euro).

Projektentwicklungsförderung geht an das Historiendrama „Die Ärztin“ von Thomas Stuber nach dem Drehbuch von Michael Bergmann und Anke Apelt (Departures Film, 50.000 Euro).

Im Bereich Neue Medien fördert die MDM die Entwicklung des VR-Games „Call her Lotte“ von Anne-Kathrin Wetzel und Michael Geidel (MiriquidiFilm, 50.000 Euro) sowie die transmediale Web-Dokumentation „Die DNA unserer Städte“ von Christian Friedrich, Paul Heisig, Nadja Mönch und Michael Schönherr (Hoferichter & Jacobs, 30.000 Euro).

In der Phase der Stoffentwicklung geht Förderung an „Landnahme“ (Saxonia Media, 25.000 Euro), „Für eine Handvoll Puppen“ (Paul Markurt, 25.000 Euro), „Fahranaz“ (Rosenpictures Filmproduktion, 22.000 Euro), „Paradise“ (Neufilm, 19.000 Euro), „Anna und Finn – Piraten mit Herz“ (MotionWorks, 17.500 Euro) und „Grenzland“ (Andreas Voigt, 17.500 Euro).

Im Verleih werden „Bibi und Tina – Tohuwabohu total!“ (Regie: Detelv Buck, 80.000 Euro), „Der junge Karl Marx“ (Regie: Raoul Peck, 75.000 Euro), „Kundschafter des Friedens“ (Regie: Robert Thalheim, 50.000 Euro) sowie „Trockenschwimmen“ (Foto) (Regie: Susanne Kim, 8.700 Euro) unterstützt.

Im Bereich Sonstige Maßnahmen gewährt die MDM Fördermittel für TP2 Talentpool (158.000 Euro), Akademie für Kindermedien (130.000 Euro), EFA Young Audience Award (65.500 Euro), Kids Regio (36.000 Euro), Filmkunsttage Sachsen-Anhalt (20.000 Euro), Neiße Filmfestival (20.000 Euro) und kurzsuechtig (10.000 Euro).

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