Merci Jeanne


Vielen Dank liebe Jeanne. Wir hatten einen wundervollen Dreh mit Dir in den CCC-Studios in Spandau. Ich zitiere mal kurz aus meinem Buch : Wie sich die beiden (Jeanne Moreau und Rainer Werner Fassbinder) bei den Dreharbeiten begegneten, war viel unkomplizierter, als sich ein Laie ein solches spektakuläres Aufeinandertreffen ausmalt.

Am ersten Drehtag, bei der ersten Begegnung, geht er artig auf sie zu, macht einen Diener. Sie sagt „Hello, Rainer, nice to meet you“ und fragt ihn, was er sich unter ihrer Rolle der Puffbesitzerin ‘Lysiane’ so vorstellt.
„Just be great“, sagt Rainer. Und sie ist zufrieden mit der kargen Auskunft. Spielt die Rolle ohnehin so, wie sie’s spürt. Und Rainer lässt alles mit sich geschehen und genießt es meist als stiller Beobachter , dass er nicht das ‘Double’ eines Stars bewegen muss, sonder dass er den Star selber hat.
Nach ihrer letzten Einstellung – ihre Szenen sind aus Termingründen auf zehn zusammengezogen worden – gibt sie Champagner aus, und Rainer überreicht ihr einen Strauß von hundert weißen Rosen. Ihre Lieblingsblumen. Irgendwie muss sie das dann doch berührt haben. Sie betritt um ersten Mal unser Arbeitszimmer, setzt sich ganz selbstverständlich hin, beginnt in einem Mischmasch aus Englisch und Französisch über ihren letzten Film zu plaudern und sagt, dass ihr die Atmosphäre hier besonders gut gefallen hat. Hält einen zwanzigminütigen Monolog, der uns so fasziniert, dass keiner auch nur einen Einwurf zu machen wagt. Was sie erzählt, nur in Bruchstücken verständlich, ist gar nicht wichtig. Wie sie’s sagt, ersetzt jedes Wörterbuch – die menschliche Wärme, die Vertrautheit, als ob sie uns schon immer gekannt hätte.

Danke Jeanne

(Harry Baer 1982 in “Schlafen kann ich, wenn ich tot bin”)

Foto: Jeanne Moreai in FAHRSTUHL ZUM SCHAFOTT 1958

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