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Home | Neu im Kino

VON ROLAND ZAG

Iron Man

Neu im Kino

Freitag - 30. Mai 2008 - 19:27

Auch in „Iron Man“ geht es – wie etwa in „Lauf um Dein Leben“ – um eine innere, kathartische Wandlung. Erstaunlicher Weise findet sie bereits nach ca. 30 Minuten statt und markiert so das Ende des ersten Akts. Doch auch wenn die innere Umkehr von TONY STARK (Robert Downey jr.) sehr früh erzählt wird, ist sie doch hervorragend motiviert und sozial unterfüttert. Denn Stark ist zu Beginn ein abgebrühter, zynischer Waffenfabrikant. Er hat noch nie erlebt, was es heißt, Opfer seiner eigenen Waffen zu werden und so dem Horror des Krieges ausgesetzt zu sein. Dies widerfährt ihm erst, als er in Afghanistan in einen Hinterhalt gerät und gezwungen wird, für einen Warlord selbst Waffen zu entwickeln.

Eine wichtige Rolle als Mentor und Richtungsgeber wirkt dabei ein Chirurg, der Stark vorlebt, was es bedeutet, jemanden wirklich zu lieben: Tony erfährt erstmals Werte wie Mitgefühl und Loyalität – und sie machen ihn zu einem anderen Menschen.

Wenn also Stark nach seiner Rückkehr in die USA mit seinen alten Werten bricht und versucht, KEINE Waffen mehr zu fabrizieren, so ist das kein Lippenbekenntnis oder Gutmenschentum, sondern ein Ausdruck von Loyalität gegenüber jenem Mann, dem er sein Leben verdankt und von dem er wichtige Werte gelernt hat. Die innere Wandlung
kommt durch diese soziale Aufladung vollständig überzeugend und wirkt zu Herzen gehend. SO sehen starke, emotional wirksame innere Wandlungen von Filmfiguren aus.

Hinzu kommen die – letztlich weniger originellen – obligatorischen Randbedingungen wie etwa die antagonistische Kraft, die sich auf die Figur von Starks väterlichem Freund OBADIAH konzentrieren: er trachtet nach der Herrschaft über Starks System und will letztlich dessen Tod. Dadurch wird das starke Unrecht etabliert, von dem die emotionale
Spannung ebenfalls lebt.

Als drittes wichtiges Element entwickelt sich eine immer stärkere Beziehung zu Starks Assistentin PEPPER (Gwyneth Paltrow). Hatte er zuvor Frauen nur als austauschbare Waren behandelt, entsteht nun eine echt menschliche Beziehung. Selbstverständlich auf Grundlage von Geben und Nehmen: erstmals fällt Tony auf, wie wertvoll die Hilfe dieser
Frau ist; andererseits kann sie es kaum glauben, aus dem Schattendasein der ewigen Hilfskraft herausgeführt zu werden und wirklich relevante Hilfeleistungen zu vollbringen. Auch auf dieser Ebene liefert „Iron Man“ eine emotional überzeugende Dramaturgie.

Freilich fällt auf, dass der Film irgendwann der gewagten Dramaturgie Tribut zollen muss. Denn indem die Wandlung des Protagonisten so ungewöhnlich früh einsetzt, bleibt nicht mehr allzu viel menschlich Relevantes zu erzählen. „Iron Man“ sitzt etwa ab Minute 30
auf einem relativ vorhersehbaren Gleis, auf dem alle späteren Wendungen an kathartischer Wirkung hinter der frühen großen inneren Umkehr des Helden zurück bleiben müssen. So gesehen hat die Dramaturgie hier gegen Ende nicht mehr allzu viel zu bieten. Es dürfte dieser Mangel jedoch nicht allzu schwer ins Gewicht fallen.

FAZIT:
„Iron Man“ gestaltet eine überzeugende, weil sozial motivierte innere Umkehr des Helden. Dadurch ist die emotionale Aufladung sehr hoch, fällt jedoch leider gegen Ende etwas ab. Dennoch sind die Voraussetzungen für einen sehr guten Erfolg durchaus gegeben.


Mehr dazu: "Der Publikumsvertrag. Emotionales Drehbuchschreiben mit 'the human factor'" von Roland Zag - Erscheinungsdatum: September 2005, sowie auf der Website the-human-factor.de

Im Zentrum des Interesses steht die Analyse der zwischenmenschlichen Verhältnisse - Es handelt sich bei unseren Besprechungen NICHT um Filmkritiken.

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>> Offizielle Website
>> Roland Zag: Der Publikumsvertrag



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