regie.de - Die Adresse für Filmschaffende

21 Besucher online
Film-Aktuell
Filmkritiken
Filmpreise
News
News Archiv
Termine
Community
Forum
Gewinnspiele
Kleinanzeigen
Service
Links
Newsletter
Shop
Filmshirts
Produktion
Adressen
Berufsbilder
Filmförderung
Produktionsnews
Produktionsplan
Produktions-Tipps
Stabliste
Drehbuch
Literatur
Kino
Film-Charts
Filmfestivals
Filmkritik
Filmpreise
Kurzfilm
Neu im Kino
DVD
DVD News
DVD-Tipp
TV
Film im TV
TV-News
Intern
Impressum
Werbung

Partner-Sites

critic.de
Dt. Filmakdemie
Filmshirts.de
Filmzeitung.de
Gruppenunterkuenfte.de



Home | Neu im Kino

VON ROLAND ZAG

Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte

Neu im Kino

Montag - 23. November 2009 - 20:47

Die Klagen über Auswüchse des Kapitalismus sind inflationär. Anders als beim Erscheinen von “Let’s make Money” vor einem Jahr droht dem neuen Film von Michael Moore eine Art Overkill: viele der darin vorgetragenen Argumente sind zwar in sich stimmig, aber sie werden durch die aktuellen Diskussionen, etwa hinsichtlich der überzogenen Managergehälter, noch übertroffen. Insofern trifft der Film womöglich auf eine Öffentlichkeit, die schon fast übersättigt ist mit kritischen Argumenten.

Gleichwohl hat der Film für den deutschen Markt ungleich mehr Relevanz als etwa “Sicko”, der sich ganz um das amerikanische Gesundheitssystem drehte und entsprechend viel weniger Zuschauer erreichte als “Fahrenheit 9/11″ oder “Bowling for Columbine”.

Insgesamt wird sich aber “Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte” trotzdem nicht leicht tun, die früheren, großen Erfolge zu erreichen. Die bisherigen Filme von Michael Moore zeichneten sich in der Regel auf der rein emotionalen Ebene durch zweierlei aus:

den unmittelbaren persönlichen Einsatz des Filmemachers, der sich um Betroffene kümmert und so – etwa auch in “Sicko”, wo er sich um kranke Feuerwehrleute kümmerte – ein fantastisches Element von Gemeinschaftsgefühlen und Beiträgen für andere herzustellen vermochte.

Zum anderen gehört der persönliche Mut des Filmemachers, sich öffentlich negativ zu exponieren, zu seinen Qualitäten (hierin Sacha Baron Cohen verwandt). Die Bereitschaft des Filmemachers, sich zur Schau zu stellen, gehört zum ‘human factor’: schnell stellt sich der Eindruck der Benachteiligung ein; der kleine Filmemacher, der von den großen Machthabern an seiner Arbeit gehindert wird, wirkt emotional stark.

Beide Erfolgsrezepte kommen in “Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte” nur eingeschränkt zur Wirkung. Zwar schafft es Moore, gegen Ende direkte emotionale Beteiligung gegenüber Hausbesitzern zu erzeugen, die auf fiese Weise gezwungen werden, ihre Wohnung zu räumen. Und die Empathie mit streikenden Fabrikarbeitern, die sich gegen die Schließung ihrer Arbeitsstätte wehren, entwickelt kurz einen wirklichen Sog. Aber längere erzählerische Abschnitte, die sich wirklich um die Betroffenen drehen und ein echtes solidarisches Miteinander erzeugen, sind in dem neuen Film eher selten.

Doch auch der kaltblütige Mut des Hauptdarstellers, der schon in “Roger and Me” beharrlich alle Abweisungen auf sich nehmen musste und damit zeigen konnte, welchen Preis er zu zahlen bereit ist, fehlt mittlerweile weitgehend.Wenn Moore in “Bowling for Columbine” mit Charlton Heston in Kontakt zu kommen versuchte, war das ein zwischenmenschlicher Thriller von höchster Spannung. Verglichen damit kann der Versuch, am Ende inmitten der Wallstreet zu einer Revolution aufzurufen (falls man gerade nichts Besseres zu tun hat…) an Schwung und Brisanz nicht mithalten.Die Szenen, in denen Michael Moore im neuen Film abermals versucht, zu den Herrschenden vorzudringen, wirken eher wie etwas müde Kopien der Originale.

Ansonsten bietet der Film einige haarsträubend schlagende, aberauch einige nicht ganz zuende gedachte Argumente, hie und da wird der Kapitalismus wirklich stringent hinterfragt, an einigen Punkten zielen die Volten knapp daneben. Unterhaltsam wirkt neben vielen haarsträubenden propagandistischen Gags (die Neu-Synchronisation eines Jesus-Films z.B.) auch die stets flotte Musik und die intelligente Montage. Allerdings wird dabei auch mit sehr vielen Zahlen und Untertiteln hantiert, was es dem deutschen Zuschauer nicht immer leicht macht, zu folgen.

“Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte” bringt also dem Michael Moore-Liebhaber einen Film, der ihn kaum überraschen, aber befriedigen wird. Dem durchschnittlichen Publikum hingegen bietet der Film nicht allzu viel neue Fakten und emotional nicht jene überwältigende Überdosis, die frühere Filme so herausragen ließen.


>> Offizielle Website
>> Roland Zag: Der Publikumsvertrag
>> Critic.de: Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte



» Druckversion zeigen

Weitere News zu diesem Thema:
- Tolstoj und seine Entourage
- Eine fast unmögliche Liebe
- San Francisco an meinem Geburtstag
- Nanga Parbat
- Avatar - Aufbruch nach Pandora
- 13 Semester
- Albert Schweitzer – Ein Leben für Afrika
- Soul Kitchen
- Lila Lila
- Whatever Works – Liebe sich, wer kann




 














 
del.icio.us Mister Wong YiGG folkd LinkARENA alltagz oneview   Yahoo! Google   MySpace Facebook



© regie.de 1998 - 2010