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Donnerstag - 31. Mai 2012 - 21:42
Prädikatisierte Filme erhalten Steuervergünstigungen und werden aufgrund des Gesetzes über Maßnahmen zur Förderung des deutschen Films (FFG) finanziell gefördert. Die Filmbewertungsstelle (FBW) hat drei Langfilmen, zwei Dokumentarfilmen und fünf Kurzfilmen das Prädikat BESONDERS WERTVOLL vergeben. Das Prädikat WERTVOLL wurde einem Langfilm verliehen.
Die Prädikate:
Prädikat besonders wertvoll
CORIOLANUS
Prädikat besonders wertvoll | Spielfilm; Kriegsfilm, Großbritannien 2010
Coriolanus ist ein Kriegsheld, der Rom siegreich in der Schlacht verteidigt. Dennoch liebt das Volk ihn nicht. Als er zum Konsul gewählt werden soll, sorgen intrigante Tribune dafür, den Hass der Bürger noch weiter zu schüren. Coriolanus wird aus Rom gejagt, woraufhin er blutige Rache schwört. Aus dem Jahr 1607 stammt das Theaterstück von William Shakespeare. Nun, über 400 Jahre später, wagt Ralph Fiennes in seinem Regiedebüt den mutigen Versuch, das Werk zum ersten Mal zu verfilmen. Fiennes verlegt die archaische Handlung rund um Krieg, Hass, Rache und Verrat in die moderne Zeit, belässt aber den Originaltext des Theaterstücks. Und trotzdem wirken die Dialoge keinesfalls verstaubt, sondern lebendig und kraftvoll.
SKATELAND
Prädikat besonders wertvoll | Drama; Spielfilm, USA 2010
Amerika, 1980er Jahre. In einer texanischen Kleinstadt ist der aufregendste Ort für die Kids die Rollschuhbahn „Skateland“. Der Teenager Ritchie, gerade mit der Highschool fertig, arbeitet dort und fühlt sich sehr wohl inmitten seiner gewohnten Umgebung. Mit seinen Kumpels hängt er bei Partys ab, vom College will er noch nichts wissen und auch sonst ist doch alles in Ordnung. Doch dann, in einem Sommer, ändert sich alles in Ritchies Leben. Seine Eltern lassen sich scheiden. Außerdem verliebt er sich in ein Mädchen, das ihm zeigt, dass das Leben viel mehr zu bieten hat.
BIS ZUM HORIZONT, DANN LINKS!
Prädikat besonders wertvoll | Komödie; Spielfilm, Deutschland 2012
Für viele Bewohner des Seniorenheims „Abendstern“ ist eines klar: Das Leben ist so gut wie vorbei. Die letzte Station ist erreicht und der Alltag sieht nicht gerade verlockend aus. Das denkt sich vor allem auch Herr Tiedgen, den die albernen Spieleabende und der ständig gleich getaktete Tagesablauf nach und nach zermürben. Als dann eines Tages ein Rundflug mit einer ausrangierten Passagiermaschine auf dem Veranstaltungsplan steht, sieht Tiedgen seine Chance gekommen. Zu einem letzten waghalsigen und spektakulären Abenteuer. Dass man ab einem bestimmten Alter für die Gesellschaft zum ausrangierten Außenseiter abgestempelt wird, ist eine Tatsache, die in Bernd Böhlichs Film zu Recht angeprangert und, auf sehr amüsante Weise, auch korrigiert wird.
Prädikat wertvoll
2 TAGE NEW YORK
Prädikat wertvoll | Komödie; Spielfilm, Deutschland; Frankreich; Belgien 2012
Marion ist Französin, lebt aber schon seit Jahren in New York, zusammen mit ihrem Freund und ihrem Kind. Eines Tages kommt Besuch ins Haus: Marions Vater Schwester sowie deren nerviger Freund. Schon bald prallen die kulturellen Gegensätze aufeinander, sprachliche Barrieren tun sich auf und aus dem trauten wird ein lautes Heim voller Chaos, Streitereien und Missverständnissen. Vor wenigen Jahren hatte Julie Delpy mit ihrem Film 2 TAGE PARIS eine romantische Komödie auf die Leinwand gezaubert. Auch damals verkörperte Delpy die Heldin Marion. Doch nun, fünf Jahre später, hat das Leben einiges auf den Kopf gewirbelt. Der Partner an ihrer Seite ist jetzt Chris Rock, der, zusammen mit der herrlich chaotischen französischen Familientruppe in rasanten Dialogen jede Menge Klischees über Franzosen, Amerikaner, Schwarze, Männer und Frauen aufgreift und veralbert. Doch es gibt auch leise Szenen voller Nachdenklichkeit und köstliche Absurditäten, die an Woody Allen in seinen besten Zeiten erinnern. La Grande Nation trifft auf den Big Apple – ein wunderbar charmantes Filmvergnügen.
Dokumentarfilme des Monats
WAGNER & ME
Prädikat besonders wertvoll | Dokumentarfilm, Großbritannien 2010
Der englische Schauspieler, Komiker und Autor Stephen Fry erfüllt sich einen ganz persönlichen Wunsch. Er reist zu den Wagner-Festspielen nach Bayreuth, darf sogar hinter die Kulissen schauen. Sein ganzes Leben schon ist Fry ein Bewunderer von Wagners Schaffen, hat jedoch auch nie aufgehört, sich kritisch mit dem großen Musiker auseinanderzusetzen. Denn die Einbindung dessen Werke in die Propagandamaschine des Dritten Reichs und die Tatsache, dass Stephen Fry jüdischer Abstammung ist, lässt eine unbelastete Verehrung nicht zu. Fry nimmt den Zuschauer in der wunderbar leichtfüßig erzählten Dokumentation von Patrick McGrady mit auf die Reise zu den Spuren eines der größten Genies der Musikgeschichte.
WORK HARD - PLAY HARD
Prädikat besonders wertvoll | Dokumentarfilm, Deutschland 2011
Schon allein das Vokabular wirkt befremdlich: Human Ressources, Assessment Center, Prozessoptimierung, Performance Profile. Carmen Losmann besucht in ihrem Debütfilm große deutsche Konzerne und Unternehmensberatungen, die sich in ihrer Personalarbeit hauptsächlich darauf konzentrieren, Mitarbeiter und bestehende Abläufe zu “optimieren“, sie schneller zu machen und vor allem das „richtige Mitarbeitermaterial“ zu rekrutieren. Der Mensch als Roboter, als funktionierender kleiner Teil eines unübersichtlich großen Ganzen – diese Strukturen entlarvt Losmann auf perfide Art und Weise.
Kurzfilme des Monats
LAUT & LEISE
Prädikat besonders wertvoll | Spielfilm; Kurzfilm, Deutschland 2012
Jeden Nachmittag trifft die 12jährige Greta ihren Kumpel Gunnar auf dem Abenteuerspielplatz. Die beiden sind Freunde, doch irgendwie merkt Greta auf einmal, dass sie vielleicht ein wenig mehr will und in Gunnar verliebt ist. Und Liebe ist doch einfach nur schön und süß, denkt Greta. Bis ihr auf einmal ein Junge aus der Schule ein Video schickt, das Greta eklig findet und das sie erschreckt. Was hat das denn mit Liebe zu tun? Die ersten Schritte zum Erwachsenwerden, das körperliche Erwachen, die erste Begegnung mit Sex – das alles behandelt der 14minütige Kurzfilm von Elisa Klement. Wie Greta mit diesen Verwirrungen umgeht, zeigt der Film dabei auf ganz feinfühlige Weise und fast ohne Dialog.
OLGASTRASSE 18
Prädikat besonders wertvoll | Animationsfilm; Kurzfilm, Deutschland 2011
Olgastraße, Hausnummer 18. Irgendwo in Deutschland. Es ist nur eine Adresse von vielen, eine Wohnung wie andere auch. Und doch öffnet sich, wenn man nur genauer hinsieht, ein ganzes Leben voller gemeinsamer Erinnerungen, die sowohl glücklich und heiter, aber auch schmerzhaft und quälend sein können. Liv Scharbatke und Jörg Rambaum von der Filmakademie Baden-Württemberg gelingt es, in nur vier Minuten die Geschichte einer solchen Wohnung zu erzählen.
WANDERND HAUS VOLL VOGELWASSER
Prädikat besonders wertvoll | Animationsfilm; Kurzfilm, Deutschland 2011
Eine junge Frau sitzt an einem Tisch. Aus einer kleinen Bastelei wird ein Gedanke, eine Fantasie, die sich nach und nach verselbständigt. Nun beginnt eine Reise zu sich selbst, eine Erkundung der innersten Wünsche und Gefühle. Doch was ist Sehnsucht, was ist Angst? Der experimentelle Kurzfilm von Veronika Samartseva erscheint mit seinen assoziativen Bildern wie ein nicht enden wollender Fluss aus Impressionen.
GROSSMUTTER
Prädikat besonders wertvoll | Spielfilm; Kurzfilm, Deutschland 2011
Eine Immigrantenfamilie möchte die Asche der Großmutter nach Deutschland bringen. In einer Keksdose. Doch da haben sie nicht mit der gewissenhaften Regelkonformität der deutschen Zollbeamten am Flughafen gerechnet. Darf die Großmutter überhaupt einreisen? Und wenn ja, dann auch in einer Dose?
ZWEIAKTER
Prädikat besonders wertvoll | Kurzfilm; Mystery, Deutschland 2012
Marco spielt in einer Theatertruppe die Hauptrolle als inhaftierter Mörder. Doch er kann nicht überzeugen. Weder sich selbst noch den Regisseur. Irgendetwas an seinem Spiel muss sich ändern. Seine Kollegin Tina schlägt ihm das berühmte Method-Acting nach Lee Strasberg vor. Es geht darum, die Rolle zu verinnerlichen und dabei tief empfundene Gefühle zuzulassen. Marco beherzigt den Expertenrat und wird besser und besser. Doch der Preis ist hoch.
Quelle: FBW - Deutsche Film- und Medienbewertung
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