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VON MAXIMILIAN MIGULETZ

Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt

Kritik

Freitag - 25. Mai 2007 - 18:26

Der rote Korsar, Long John Silver, Hook, der einäugige Willy – sie alle können ihm nichts mehr; denn kaum jemand wird heute bezweifeln, dass er der berühmteste aller fiktiven Piraten ist: Captain Jack Sparrow. In „Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt“ setzt er zum dritten Mal die Segel auf der Kinoleinwand. Aber halt! War da nicht dieser unangenehme Zwischenfall mit dem Kraken, der den unvergleichlichen Jack am Ende des zweiten Teils Speichel speiend verschlang? Naja, wem die Vorahnung fehlt, dem sollte die Promotion-Maschinerie verraten: Kein Trilogie-Finale ohne Jack Sparrow.


So beginnt „Am Ende der Welt“ mit der lang ersehnten Rettungsmission. William Turner (Orlando Bloom), Elizabeth Swan (Keira Knightley) und der von den Toten auferstandene Captain Barbossa (Geoffrey Rush) schippern hinab ins Reich der Toten, um Jack Sparrow (Johnny Depp) zurück auf das Deck des Diesseits zu holen. Keiner ohne Hintergedanken. Währenddessen lebt Lord Beckett (Tom Hollander) seine Piratenphobie weiter aus und lässt vom fischigen Freibeuter Davy Jones (Bill Nighy) die Sieben Weltmeere leer kanonieren. Irgendwo dazwischen wartet Stiefelriemen Bill (Stellan Skarsgard) auf seine Erlösung. Piratenfürsten wie der mysteriöse Singapur-Segler Sao Feng (Chow Yun-Fat) rasseln mit den Säbeln. Eine Seegöttin macht auf rachsüchtige Zicke. Und dann wäre da noch Keith Richards mit Gesichtsstarre.

Zeitweise wäre ein Notizblock hilfreich, um bei den zahlreichen Handlungssträngen den Überblick zu behalten. „Am Ende der Welt“ wurde in einem Aufwasch mit Teil 2 gedreht, zu Beginn aber ohne fertiges Drehbuch und die erste Fassung des Films war über drei Stunden lang. Wo man sich Auflösungen der Verstrickungen aus dem Vorgänger erhofft, packt Regisseur Gore Verbinski noch ein paar Nebenschauplätze drauf. Frei nach dem Motto „plot we got quite a lot“. Für einen letztlich seichten Popcorn-Film kommt Pirates viel zu kompliziert daher. Es geht munter hin und her, drunter und drüber, und nach den knapp 170 Minuten darf man sich nicht fragen, wer hier jetzt eigentlich was und vor allem warum gemacht hat.

Tut man höchst wahrscheinlich auch nicht. Denn den Geheimnissen, Intrigen und Enthüllungen gibt Verbinski nicht viel Zeit. Von Beginn an hetzt er den Zuschauer durch eine Vielzahl spektakulärer Actionszenen gespickt mit atemberaubenden Schwertkämpfen, Seeschlachten und Schiffen – bei jedem denkbaren Seegang: Bei Flaute, bei Unwetter, in frostigem Eiswasser, kopfüber unter Wasser und sogar im heißen Wüstensand. Auf diese Weise halten sich die zähen Momente in Grenzen und der Kinogänger bilder-rauscht auf das Ende der Welt und das vorläufige Ende des „Fluchs der Karibik“ zu.

Leider lässt sich der Fluch der Fortsetzung nicht abstreiten. Der Level des überraschend erfolgreichen Erstlingswerks wird nur selten erreicht. Im Übrigen auch nicht der Level an Komik; „Am Ende der Welt“ kommt düsterer und abenteuerlastiger daher als seine Vorgänger. Schauspielerische Offenbarungen war man von Sparrows Nebenleuten nie gewohnt. Die x-te Szene einer Knightley mit zickig-offenem Mund oder eines Bloom mit ernst zusammengekniffenen Augen ermüdet dennoch.

Fans der Reihe und Liebhaber bombastischer Kinospektakel wird das aber kaum abschrecken. 1,7 Milliarden eingespielte Dollar geben den Vorgängerfilmen Recht, Gerüchteküchen prophezeien den Sturz (oder Untergang) von „Titanic“ als erfolgreichster Film aller Zeiten und weitere Segeltörns von Captain Jack Sparrow scheinen auch dank des offenen Endes geritzt. Bis dahin drücke ich die Daumen für eine geradlinigere Handlung und erfreue mich an dem Knall-Bumm-Peng eines Blockbusters, der diesen Titel trotz aller Nörgelei wahrlich verdient.

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