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VON ROLAND ZAGBeste Zeit Neu im Kino
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Sonntag - 05. August 2007 - 12:00
Marcus H. Rosenmüller hat für frischen Wind in der deutschen Filmlandschaft gesorgt. Bajuwarische Geschichten erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und erleben derzeit einen Finanzierungsaufschwung. Innerhalb eines guten Jahres kommt jetzt schon Rosenmüllers dritter Film in die Kinos. Alle gehören sie im weitesten Sinne zum altmodischen Genre Heimatfilm. Es handelt sich bei „Beste Zeit“ um eine Art Heimat-Coming-of-Age-Dramödie, die den ersten Teil einer
angekündigten Trilogie bilden soll.
Vom Genre her betrachtet scheint sie unattraktiver zu sein als die Vorgängererfolge und dürfte somit eine begrenzte Wirkung erfahren. Für positive Signale sorgt dagegen die wachsende und treuer werdende Fangemeinde des Regisseurs. Die Schauspieler sind unbekannte Entdeckungen, die noch keine größere Publikumswirkung auslösen können.
Insgesamt sieht es äußerlich damit besser aus als beim Erstling, bei dem es vor einem Jahr überhaupt keine bekannten und attraktiven Faktoren gab, aber doch nicht so gut wie bei „Schwere Jungs“, wo klarer draufstand, was drin war.
„Beste Zeit“ erzählt vom Erwachsenwerden in der bayerischen Provinz. Im Mittelpunkt stehen die beiden Mädchen Katie und Jo, die von noch unbekannten Dingen wie der Liebe und der großen weiten Welt träumen, aber gleichzeitig unsicher sind, was wann und wo auf sie zu kommen wird und insofern im mitunter guten Gefühl leben, gerade ihre beste Zeit zu erleben.
Erzählt wird die Geschichte weitgehend in Form von quasidokumentarischen Abbildungen. Der große Erfolgsfaktor der beiden Vorgängerfilme, der charmante, liebevolle, zwingende und situationskomische Humor, ist in „Beste Zeit“ zwar immer noch vorhanden, aber in geringerem Maße. Statt dessen überwiegen ernsthafte, nachdenkliche und
problematische Töne. Das Pubertätsdrama der Protagonistin mit ihren Eltern wird durchaus realistisch mit Härten, Widersprüchen und schwer zu findenden Lösungen
geschildert. Der Film nimmt zuweilen Schwere und Problemfilmcharakter an. Die gestalterischen Mittel der Inszenierung scheinen mehr Wert darauf zu legen, die Sehnsüchte der beiden Mädchen visuell charmant und reizvoll zu zeigen. Für die inneren Konflikte der Mädchen werden dagegen weniger eindrucksvolle Bilder gefunden (anders
als etwa in „Wer früher stirbt...“, wo sich die Fegefeuer-Szenen als visuell besonders prägnant einprägten.)
„Beste Zeit“ wirkt weniger originell, weist aber eine nicht zu unterschätzende Stärke auf, indem die Geschichte und ihre Umsetzung stark zur Identifikation einladen. Das Thema Aufwachsen auf dem Land in Verbindung mit unklaren Liebes- und Zukunftsfragen in der Pubertät wird so gezeigt, das es sich für viele nachvollziehbar, relevant und unterhaltsam
darstellen kann. Spannung und Tempo sind der Gegend und den Menschen weitgehend angepaßt und entsprechend ruhig. Es passiert im Grunde wenig. Stark handlungswirksam ist vor allem die Zusage für Katie, demnächst ein Jahr in die USA gehen zu können. Stark spürbare Spannung wird von der Frage, ob sie das Angebot annehmen soll, allerdings nicht ausgelöst. Einige actionreiche Szenen werden aus Katies Vorliebe für das unerlaubte Fahren von Papas Kleinbus entwickelt.
Die wesentlichen Elemente der Geschichte strahlen eine starke Glaubwürdigkeit aus. Nur manchmal scheint etwas Unnatürliches durch, wenn die Mädchen sich untereinander
allzusehr in Form von Lebensweisheiten und Kalendersprüchen unterhalten. Allerdings zeigt sich gerade im Vergleich etwa mit „Am Tag als Bobby Ewing starb“, dass das Fehlen aller historischen Bezüge und Kontexte die Attraktivität vermindern könnte. Der Film vermittelt kaum Rückschlüsse auf das politische oder historische Geschehen der Zeit, in der er spielt. Damit wird Potenzial verschenkt.
Insgesamt bietet „Beste Zeit“ ein reizvoll inszeniertes und authentisches Bild des Aufwachsens in der Provinz, das weniger tolle Bilder und Szenen enthält als die beiden Vorgängerfilme des Regisseurs, aber dennoch viele Unterhaltungs- und Identifikationsmöglichkeiten anbietet. Die Relevanz ist allerdings sehr verhalten zu bewerten.
Mehr dazu: "Der Publikumsvertrag. Emotionales Drehbuchschreiben mit 'the human factor'" von Roland Zag - Erscheinungsdatum: September 2005, sowie auf der Website the-human-factor.de
Fotos: © Constantin
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