Preise in Ludwigsburg vergeben

24 von knapp 90 Filmen waren in diesem Jahr für Preise in insgesamt neun Kategorien nominiert. Erstmals ist dem Große NaturVision Filmpreis ein anderer Preis an Bedeutung gleichgeordnet: Der Deutsche Umwelt- und Nachhaltigkeitsfilmpreis. Die Aufwertung dieser Kategorie steht mit einer allgemeinen Entwicklung im Naturfilmbereich in Zusammenhang: Immer mehr Dokumentationen greifen brisante Umweltfragen auf; dabei behandeln nicht nur kritische Formate diese Themen, auch der klassische Naturfilm bewahrt Bilder verschwindender Landschaften und Tiere und wirbt so unermüdlich für Nachhaltigkeit und einen sorgsamen Umgang mit der Natur. Die Jury zeichnete in diesem Jahr besonders gelungene Natur- und Tierdokumentationen aus.

The Unlikely Leopard (Foto: Beverly Derek Joubert)

Den Großen NaturVision Filmpreis erhält THE UNLIKELY LEOPARD von Dereck und Beverly Joubert, der die Geschichte des Heranwachsens eines kleinen Leoparden zum großen Raubtier authentisch erzählt. In der Jurybegründung heißt es: „Die Erzählweise ist sehr liebevoll, manchmal poetisch und passt hervorragend zum Leben dieser schönen Raubkatzen in einer magischen Landschaft.“ Der zweite Preis in dieser Kategorie geht an WILDES DEUTSCHLAND – DIE LAUSITZ. Diese Folge der beliebten ARD-Reihe begeistert vor allem durch seine Kontraste. So werden großartige Aufnahmen von Naturschutzgebieten gekonnt mit der Problematik des Braunkohleabbaus kontrastiert.

Auch beim Deutschen Umwelt- und Nachhaltigkeitsfilmpreis werden zwei Preise vergeben. Der erste Preis geht an DER LETZTE FANG von Markus C. M. Schmidt. Im Mittelpunkt des Films steht ein ehemaliger Thunfischtaucher, der nun als Greenpeace-Aktivist tätig ist. „Nicht nur die Geschichte des Thunfischfangs ist hier eindrucksvoll und spannend erzählt. Der Zuschauer wird von beiden – scheinbar so gegensätzlichen – Welten tief berührt: der des Umweltaktivisten und der der Fischer.“ Den zweiten Preis erhält die Dokumentation AUF LEISEN PFOTEN – SPANIENS LETZTE LUCHSE von Klaus Feichtenberger. Sie erzählt von den beeindruckenden Schutzmaßnahmen für den iberischen Luchs, aber auch davon, wie tiefgehend und sensibel die Zusammenhänge im Ökosystem sind.

Den Preis für die Beste Kamera bekommt der Kameramann Adrian Bailey für seine Arbeit in: STREIFZUG DER ZEBRAS. “Es gelingt der Kamera mit der Herde zu verschmelzen und den Zuschauer auf Augenhöhe der Tiere am Geschehen teilhaben zu lassen.“ Für die Beste Story wird von der Jury THE ARCTIC GIANT von Adam Schmedes ausgezeichnet; um ökonomische und ökologische Zusammenhänge deutlich zu machen, werden hier zwei Erzählstränge eindrucksvoll verwoben: die 200-jährige Lebenszeit eines Grönlandwals mit der Entwicklung der Gesellschaft in dieser Zeit. Ein höchst spannender Ansatz.

Preisträger Naturvision 2013 (Foto Preisträger: Matthias Balk)

Über den NaturVision Kinderfilmpreis darf sich eine Episode aus der Reihe “Schau in meine Welt” freuen. In HASSANI UND SEINE WALHAIE wird ein Junge vorgestellt, der mit Mut und Leidenschaft für seine besten Freunde – die Walhaie – kämpft.
Für seinen „Mut, ein schwieriges Thema mit fantasievoll leichtem Schritt“ anzugehen, wird der Film SAN AUGUSTEN – EBBE IM PLASTIKMEER mit dem NaturVision Newcomerpreis belohnt. Eine Gruppe Münchner Filmstudenten erzählt von den Problemen im „andalusischen Gemüsegarten“, wo die Vernichtung der Landschaft und ihrer Ressourcen droht.

Zwei weitere Filme werden mit Sonderpreisen ausgezeichnet: ONE MAN’S DESERT gehört zum Filmblock des diesjährigen Gastlandes China. Er zeigt in einer ganz eigenen Bildsprache die fortschreitende Wüstenbildung und die Angst und Hoffnung der Menschen im Überlebenskampf innerhalb dieser zerstörten Natur. Der Sonderpreis der Jury geht an BREATHING EARTH – SUSUMO SHINGUS TRAUM von Thomas Riedelsheimer; ein Porträt des japanischen Künstlers Susumu Shingu, der mit seinen Windskulpturen das Bewusstsein der Menschen für die verborgenen Kräfte der Natur schärfen möchte.

Die Jugendjury hat sich entschieden ihren Preis an DIE WELTRETTER 3.0 zu vergeben. Der Film stellt die globale Jugendbewegung Generation 3.0 vor, die über Skype, Twitter, und Facebook für den Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung kämpft. Wie zentral wichtig auch dem Zuschauer Umweltthemen sind, spiegelt der diesjährige Publikumspreis wider. Mit eindeutiger Mehrheit konnte der DER LETZTE FANG den Wettbewerb in dieser aussagekräftigen Kategorie für sich entscheiden.

NaturVision-Filmfestival_2013-Programmheft-Kopie1-e13721927787361-200x200Das NaturVision Filmfestival fand 2002 das erste Mal im Bayerischen Wald statt. Nach dem sehr erfolgreichen Start im letzten Jahr wird es nun zum zweiten Mal im baden-württembergischen Ludwigsburg ausgerichtet. Vier Tage lang werden im den drei Sälen des Kino Central und im Kino Caligari hochkarätige Dokumentationen zu Natur- und Umweltthemen gezeigt. Höhepunkt des Festivals ist die feierliche Preisverleihungsgala am Samstagabend.

Foto Preisträger: Matthias Balk

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