Preisträger des 31. ALPINALE Kurzfilmfestival


Wie bereits im vergangenen Jahr hatte Jury und Publikum einen gemeinsamen Favoriten. Der Film „Balcony” (Foto) von Regisseur Toby Fell-Holden erhielt am Ende der Veranstaltung sowohl den „Preis der Jury”, als auch den Publikumspreis.

Tina, ein mit Problemen belasteter Teenager, fühlt sich zu dem afghanischen Mädchen Dana hingezogen. Von Tina erfahren wir, dass Danas drogenabhängiger Vater seiner Tochter Gewalt antut. Anfangs vertrauen wir Tina und bewundern, wie sie Dana in der Schule und der Siedlung, wo die Gewaltbereitschaft hoch ist, beschützt. Aber je enger die Freundschaft der beiden wird, umso stärker wird der Verdacht, dass etwas nicht stimmt.

Der Film erzählt von einer Freundschaft zweier Mädchen, die aus unterschiedlichen Kulturen kommen und überzeugt durch eine starke und authentische Geschichte mit großartigem Schauspiel. Die Produktion macht sichtbar, wie kulturelle Unterschiede den Blick auf die Realität in der Gesellschaft versperren können. Eine Story, die den Betrachter gleichermaßen schockiert und fasziniert, aber ihm auch einen Spiegel vorhält um die eigenen Vorurteile zu hinterfragen.

Die Badewanne“ von Tim Ellrich (Deutschland/Österreich) zog Zuschauer und Jury auf unterhaltsame Weise und mit Witz in seinen Bann und wurde mit dem „Goldenen Einhorn” für den besten internationalen Film ausgezeichnet. Eine perfekte Story, wie sie nur ein Kurzfilm erzählen kann: In einer Aufnahme, einer Kameraeinstellung und einem Ort: Der Badewanne. Der Film spiegelt mit guten Schauspiel und unvergesslichen Szenen humorvoll bekannte Geschwisterbeziehungen wider.

Drei Brüder bereiten ein besonderes Geschenk für ihre Mutter vor. Doch die Idee, ein altes Badewannenbild aus ihrer Kindheit fotografisch nachzustellen, hält der Älteste für totalen Schwachsinn. Nach und nach ziehen alle blank und drei Brüder bleiben zurück, die sich in der Zwischenzeit scheinbar fremd geworden sind.

Die Preisträger:

· Preis der Jury / Publikumspreis: Balcony (Toby Fell-Holden, Großbritannien)

· International: Badewanne (Tim Ellrich, Deutschland/Österreich)

· Lobende Erwähnung International: Jay amongst men (Zeno Graton, B/F)

· Hochschule: [Out of Fra]me (Sophie Linnenbaum, Deutschland)

· Lobendende Erwähnungen Hochschule: Grandma’s Day (Miłosz Sakowski, Polen)

· Animation: Dissonance (Till Nowak, Deutschland)

· v-shorts: Det er her (Moritz Sonntag,Norwegen/Österreich)

Die Deutsche Sophie Linnenbaum überzeugte mit ihrer Abschlussarbeit an der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF. In ihrem Hochschulfilm „[Out of Fra]me” stellt die Regisseurin Linnenbaum filmische Erwartungen auf den Kopf. Auf sehr humorvolle und innovative Weise erzählt sie von gesellschaftlichen Phänomen und Verwerfungen.

Paul fällt vor lauter Einsamkeit aus dem Bild und kommt nicht wieder hinein. Bei seinem Kampf darum, wieder gesehen zu werden, lernt er die Outtakes kennen – eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Filmfehlern.

Die Jurybegründung: „Kurzfilme können gänzlich andere Richtungen als Langfilme einschlagen. „[Out of Fra]me” stellt dies mit einem surrealen Setup, das perfekt in seinem einzigartigen Konzept funktioniert, hervorragend unter Beweis. Smart, unterhaltsam und verspielt.” Sophie Linnenbaum nahm das „Goldene Einhorn“ beim Festivals persönlich entgegen.

Auch der deutsche Animationsfilm „Dissonance” von Till Nowak (Deutschland) erhält ein „Goldenes Einhorn”, der urlaubsbedingt nicht an der ALPINALE teilnehmen konnte und deshalb eine Videobotschaft aus den USA sendete.

Ein hochbegabter Musiker lebt allein in einer surrealen Welt. Eines Tages stürzt seine Welt ein und die Wirklichkeit bricht aus. Er sehnt sich nach seiner Tochter, doch die Mutter verwehrt ihm ein Zusammentreffen. Er hat nur einen Wunsch: für seine Tochter zu spielen.

Der Film nimmt uns mit auf eine Reise durch die zerbrochene Gefühlswelt eines Mannes, der sich der Realität stellen muss. Eine wunderbare Kombination aus Realfilm und Animation zieht das Publikum durch atemberaubende Bildern in Bann während der Schauspieler sich verliert. Dabei verfließen ständig die Grenzen zwischen Realität und Fiktion.

Die Jury sprach für zwei weitere Filme eine lobenende Erwähnung aus: Im Film „Jay unter Männern” von Zeno Graton (Belgien/Frankreich) versucht der 14jährige Jay ein echter Mann zu werden, um von seinem Vater akzeptiert und endlich geliebt zu werden. Die Jury lobt das großartige Schauspiel in einer unkonventionellen Vater-Sohn-Beziehung. Drehbuch und Regie fesseln die Zuseher/innen an das emotionale Abenteuer der Hauptfigur, während sich stetig neue Welten auftun.

Miłosz Sakowskis Komödie „Grandma’s Day” ist eine schöne Geschichte über eine unerwartete Freundschaft zwischen einem Skinhead und einer einfallsreichen alten Frau. Ein cleveres Aufeinanderprallen zweier Gegenspieler, das ständig mit den Erwartungen spielt und die ZuseherInnen mit einer mitfühlenden Sicht auf zwei tragische Leben hinterlässt.

Die “v-shorts”-Kategorie feierte in diesem Jahr bereits ihr zehnjähriges Jubiläum. Damit schafft die ALPINALE auch eine Plattform für Filmemacher aus der Region. In einer öffentlichen Kurzfilmnacht wurden vier Favoriten für das Festival nominiert. Aus diesen vier Besten der Kategorie „v-short” hat sich die Jury für „Det er her” von Moritz Sonntag entschieden. Das authentische und Portrait einer Frau und ihrer Beziehung zu ihren Schlittenhunden in Norwegen. Eine friedliche Reise von Mensch und Natur, die die ZuseherInnen in eine andere Welt entführt. Die Dokumentation erwärmt das Herz, während man die faszinierenden Bilder von Schnee und Eis bestaunt. Regisseur Moritz Sonntag darf sich ein Preisgeld in Höhe von 500 Euro – powered by Filmwerk Vorarlberg – freuen. Erstmals wurde auch in Zusammenarbeit mit der Tischlerei Hartmann aus Schlins ein symbolischer Preis in Form einer “V”-Filmklappe produziert und überreicht.

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