Servus Otto – Ein Brief von Harry Baer

Es war bei der Fussballweltmeisterschaft im “Floriansgarten” 2010. In Südafrika verputzte die deutsche Mannschaft die Engländer mit 4:1 – war das eine Freude. Und dann der Schuss von Lampert, dass dieses Tor nicht gegeben wurde! Das war wie die späte Rache für das alberne Tor in Wembley 1966. Du warst mit Deiner Monika da, ich saß bei der WM ein paar Mal neben Euch. Uns verband schon seit langem eine gegenseitige Hochachtung und Zuneigung, aber immer mit etwas wienerischen Schmäh dazu, damit es nicht so tierisch ernst rüberkam. Aber diesmal kam noch etwas dazu. Wir hatten beide die Schulter gebrochen und liefen mit unseren Armschlingen herum wie das doppelte Lottchen. Wir sahen ganz schön bescheuert aus, aber während den Spielen hatten wir wenigstens keine Schmerzen.

Eigentlich wollten wir Dich 1973 für den Film OUTPUT von Michael Fengler besetzen, ich war damals als Produktionsleiter in West-Berlin und selbst uns Münchnern warst Du schon ein Begriff. Weiß nicht mehr, warum das nicht geklappt hat, wahrscheinlich wegen irgendwelcher anderen Verpflichtungen. An der Schaubühne habe ich Dich in “Die Hypochonder” gesehen und das hat mich schon sehr beeindruckt, obwohl ich damals mit Theater nicht so viel am Hut hatte.

Ich habe Dich in vielen Filmen bewundert und bin ein richtiger Fan Deiner Schauspielkunst. Immer noch, denn fehlen wird uns allen Deine markante Stimme und Dein unschlagbarer Witz, der sehr wohl wehtun konnte, aber nie bösartig oder gar heimtückisch war. Vor allem fehlst uns aber Du.

Dein
Harry

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