Sohnemänner

Uwe (38) entführt seine 83jährige Großmutter Hilde aus einem Altersheim in Hamburg, weil er glaubt, sie werde dort schlecht behandelt, und bringt sie in das Haus seines Lebensgefährten im Schwarzwald. Als Uwes Vater Edgar Hilde im Altersheim besuchen will, stellt er mit Schrecken fest „Mutti ist weg“ und reist den beiden wutentbrannt auf seinem Motorrad hinterher. Als er ankommt, entsteht ein subtiler Machtkampf zwischen den beiden Männern, die sich offensichtlich schon vor Jahren auseinandergelebt haben. Beide behaupten, genau zu wissen, was für Hilde das Beste sei. Dabei bemerken sie nicht, dass sie Hildes Bedürfnisse letztendlich komplett ignorieren. Erst als die alte Dame ernsthaft erkrankt, scheint eine vorsichtige Annäherung zwischen Vater und Sohn möglich zu sein.

Sohnemaenner - Plakat

Uwe, Edgar und Hilde – drei Generationen einer sich entfremdeten Familie leben, mehr oder weniger freiwillig, wieder unter einem Dach. Dieser Umstand sorgt für urkomische, jedoch wie aus dem Leben gegriffene, Situationen, z.B. wenn Hilde mitten im Liebespiel des homosexuellen Paares plötzlich im Zimmer steht und fragt, wie denn die Fernbedienung funktioniere. Oder wenn der 65jährige Edgar von seiner Mutter angeherrscht wird, er könne doch wenigstens mal ordentlich „Guten Tag sagen“. Die Stimmung zwischen den Protagonisten ist in höchstem Grad angespannt. Uwe tut alles, um sich vom Vater zu distanzieren und lebt sein Leben – im Gegensatz zum Möchtegern-Junggebliebenen Edgar – in trauter Spießigkeit. Weder Vater noch Sohn lassen irgendeine Möglichkeit aus, sich gegenseitig zu provozieren und sich unter die Nase zu reiben, wie fremd sie einander doch seien. Und Oma Hilde will einfach nur zurück in ihre Hamburger Wohnung – doch niemand hört ihr wirklich zu.
Regisseur Ingo Haeb stellt in seinem Film die Frage, wie und ob man einem pflegebedürftigen Menschen gerecht werden kann. Ihm ist mit SOHNEMÄNNER eine gefühlsstarke und durch und durch realistische Familienkomödie über die Bedürfnisse älterer Menschen gelungen. Und trotz allem Witz, lässt der Film seine zentralen und ernsten Themen – eine entfremdete Familie und den gedankenlosen Umgang mit alten Menschen –ausreichend zu ihrem Recht kommen.

Sohnemänner (DVD)


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Nachdem ich an der Universität zu Köln Germanistik, Anglistik und Philosophie (Abschluss Magister Artium) mit dem Schwerpunkt Neuere Deutsche Literaturwissenschaften studiert habe, arbeite ich seit 2012 als freie Autorin/Journalistin, Texterin, Lektorin, Übersetzerin und Social Media Managerin in Hamburg. In diesem Rahmen schreibe ich u.a. für CrowdsourcingBlog, Filmzeitung.de und Textprovider. Darüber hinaus nehme ich Aufträge als Korrektorin, Redakteurin und Übersetzerin (Englisch-Deutsch) an. Ich spreche fließend Englisch, habe das Latinum und Grundlagenkenntnisse in Französisch und Spanisch. Im Oktober 2013 werde ich eine dreimonatige Hospitanz in der Redaktion der FAZ antreten. Neben meinem Studium habe ich bei der Cologne Conference – Internationales Film- und Fernsehfestival und HMR International gearbeitet und war ein Jahr als als Bloggerin und Social Media Redakteurin bei der FFP New Media GmbH angestellt. Meine Interessen sind, neben der deutschen und englischen Sprache, der digitale Journalismus, Literatur, Theater und Film sowie die Entwicklungen der Neuen Medien und der neuen digitalen Arbeitswelt.

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