Synchronschauspieler gewinnt Prozess gegen Walt Disney


Der InteressenVerband Synchronschauspieler bewertet das Verfahren zur Nachvergütung als richtungsweisend für die Film- und Fernsehbranche. Prozess gewonnen: Marcus Off, der in den ersten drei Teilen des Piratenfilms „Fluch der Karibik” Hauptdarsteller Johnny Depp alias Captain Jack Sparrow synchronisierte, konnte am 1. Juni vor dem Kammergericht in Berlin seinen Nachvergütungsanspruch gegen den Walt-Disney-Konzern durchsetzen.

Der Synchronschauspieler erhält nach rund acht Jahren Rechtsprozess jetzt das Zehnfache seiner ursprünglich vereinbarten Gage. Die Parteien stritten sich darüber, ob Offs Leistung für die drei produzierten Kinofilme im Vergleich zum Verwertungserfolg angemessen vergütet wurde. Grundlage für die Klage war § 32a des Urheberrechtsgesetz (UrhG), wonach ein Künstler eine Nachforderung dann geltend machen kann, wenn zwischen der vereinbarten Gegenleistung und den Erträgen aus der Nutzung des Werkes ein auffälliges Missverhältnis besteht. In dem Prozess wurde bereits 2012 durch den Bundesgerichtshof eine Grund-satzentscheidung gefällt. Das gesamte Verfahren wurde von dem InteressenVerband Synchron-schauspieler e.V. (IVS) finanziert und unterstützt.

„Dieses Urteil ist richtungsweisend für die gesamte Synchronbranche. Wir sollten die Entscheidung jetzt zum Anlass nehmen, gemeinsam mit den Verwertern eine branchenweite, allgemeingültige Lösung zu finden“, meint IVS-Vorstand Till Völger und verweist darauf, dass im Fall Marcus Off nur wegen des Übererfolgs im Bereich Kino und Home-Entertainment nachvergütet wurde. Die Fernsehverwertung des Block-busters ist dabei noch nicht berücksichtigt worden. Das Gericht stellt in der Urteilsbegrün-dung vielmehr fest, dass die Pauschalvergütun-gen bereits für die streitgegenständlichen Verwertungen „verbraucht“ wurden. Das Verfahren betraf erstmalig den Nachvergütungsanspruch eines Schauspielers aus der Synchronbranche. Der IVS unterstützt aktuell noch drei weitere Nachvergütungsverfahren, die ebenfalls von der Kanzlei Hertin & Partner betreut werden.

Das Urheberrecht schützt die Kreativen, die im Rahmen ihrer Vertragsverhandlungen mit den Verwertern meist keine angemessene Vergütung verlangen. Der Grund: Sie befürchten nicht beschäftigt zu werden. Allerdings entsteht für die Synchronschauspieler auch bei Forderungen im Nachgang das Blacklisting-Problem: Marcus Off wurde umbesetzt und durfte die Rolle des Jack Sparrow nicht mehr übernehmen, nachdem er die Klage gegen Disney eingereicht hatte. Aus Sicht des IVS wären in diesem Zusammenhang effektiv ausgestaltete Verbandsklagerechte eine Erleichterung.

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